Fachartikel

Risiken und Kosten von Rechenzentren verringern

Rechenzentren werden geplant, gebaut, in Betrieb genommen und dann viele Jahre lang mehr oder minder unverändert genutzt. Doch die Anforderungen der betreibenden Unternehmen, die technologischen Möglichkeiten und die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern sich im Laufe der Zeit teilweise erheblich. Um hier böse Überraschungen zu verhindern, Kosten zu sparen und Risiken zu vermeiden, ist es notwendig, Defizite in Bestandsrechenzentren zu entfernen und Optimierungspotenziale zu nutzen.
Für einen optimierten RZ-Betrieb gibt es zahlreiche Stellschrauben.
Ein Rechenzentrum ist heutzutage eine unerlässliche Infrastruktureinrichtung für viele Unternehmen. Das zeigt sich bereits an der Anzahl der Rechenzentren in Deutschland: Aktuell gibt es etwas mehr als 3000 Rechenzentren mit mehr als 40 kW IT-Anschlussleistung in Deutschland. Insgesamt sind es etwa 50.000 kleinere IT-Installationen und Rechenzentren. Die meisten davon entsprechen nicht den neuesten Standards, zumindest nicht umfassend. Dadurch lassen sie sich nicht optimal nutzen, was zu hohen Kosten und ineffizientem Verbrauch von Ressourcen führt.

De facto können viele Rechenzentren, so wie sie sind, die vom Betreiberunternehmen gewünschte Verfügbarkeit nicht erreichen. Der Grund: Optimierungen finden zwar in Teilbereichen statt, aber eine umfassende Prüfung erfolgt in den wenigsten Unternehmen – schon gar nicht auf regelmäßiger Basis. In praktisch jedem RZ gibt es daher Verbesserungspotential, um die Verfügbarkeit der IT-Systeme zu erhöhen, um den Stromverbrauch zu reduzieren, um Risiken (wie etwa Wasserschäden) zu vermeiden und Gesetze einzuhalten oder um zum Klimaschutz beizutragen. Und daraus resultierend: Um Kosten zu sparen.

Keine Bestnoten für Deutschlands Rechenzentren
Der Dienstleister Prior1 hat in den letzten zehn Jahren mehr als 50 Bestandsrechenzentren anhand von 163 Fragen aus elf Themenbereichen – dazu gehören unter anderem Konzepte, Prozesse, Standort, bauliche Struktur, Stromversorgung, Klima- und Sicherheitstechnik sowie Netzwerkversorgung - umfassend überprüft. Kein einziges hat eine 100 Prozent Bewertung erreicht. Die meisten lagen deutlich unter 50 Prozent.

Der Grund: Es fehlt den Unternehmen der ganzheitliche Blick auf das Rechenzentrum. Die bei den Checks ermittelten Defizite sind unterschiedlicher Natur. Ein Unternehmen hat ein Rechenzentrum mit neuester Technologie, dafür gibt es Mängel beim Konzept und den im Arbeitsalltag angewandten Prozessen. Bei einem anderen sind die Prozesse top, dafür die Technologie veraltet. Und bei wieder anderen ist in erster Linie der Standort das Problem oder die Energieeffizienz.

Den aktuellen Anforderungen gerecht werden
Rechenzentren sind komplexe, dynamische Systeme, die laufend Änderungen der technischen und organisatorischen Anforderungen unterworfen sind. Gesetzliche Rahmenbedingungen ändern sich, genauso wie die Erwartungen der Unternehmen selbst in Bezug auf Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Performance. Auch Versicherungen und Wirtschaftsprüfer sowie in einigen Branchen zusätzlich Kunden und Lieferanten stellen Anforderungen an die Rechenzentren der mit ihnen kooperierenden Unternehmen. Kurz gesagt, Rechenzentren müssen heute höhere Leistungen erbringen, effizienter sein und gleichzeitig Kosten sparen. Das können Bestandsrechenzentren nur dann leisten, wenn Sie ganzheitlich optimiert werden.
Investitionen sinnvoll einsetzen
Daher reicht es bei der Mehrzahl der bestehenden Rechenzentren auch nicht, nur Teilbereiche zu optimieren. Es geht vielmehr darum, einen ganzheitlichen Blick auf das Rechenzentrum zu werfen und die Defizite in aller Deutlichkeit aufzuzeigen. Das kann in manchen Fällen schlicht der nicht vorhandene Wartungsvertrag für die USV-Anlage sein, in anderen die fehlenden Handfeuerlöscher im Serverraum oder das mangelhafte Betriebsführungshandbuch. In anderen Fällen wiederum treten durch einen prüfenden Blick größere Probleme zutage: Der Standort des Rechenzentrums bringt hohe Risiken mit sich, weil sich direkt daneben eine Tankstelle befindet. Die bauliche Struktur weist Mängel auf, weil das Dach nicht ordentlich entwässert wird, einbruchhemmende Türen fehlen oder der bauliche Brandschutz nicht in ausreichendem Ausmaß vorhanden ist.

Durch einen umfassenden Check des Rechenzentrums lassen sich alle Defizite erfassen und bewerten. Darauf aufbauend kann das Unternehmen seine Investitionsentscheidungen sinnvoll treffen. Energieeffizienzmaßnahmen etwa rechnen sich in der Regel schnell. Die Verlagerung eines Standorts oder bauliche Maßnahmen gilt es genauer zu planen. Häufig ist die Conclusio eines genauen Checks die Erkenntnis, dass zuerst eine Rechenzentrumsstrategie erarbeitet werden muss und sich dann erst konkrete Maßnahmen realisieren lassen. Letztlich müssen aber alle Änderungen darauf ausgelegt sein, die Ressourcen des Unternehmens so effizient wie möglich zu nutzen.

Quick Win: Energieeffizienz
Es ist eine bekannte Tatsache, dass der Energiebedarf des Rechenzentrums einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs eines Unternehmens ausmacht. In den meisten Unternehmen aber laufen die Energiekosten nicht auf die Kostenstelle der IT, sodass diese die genauen Aufwendungen dafür gar nicht kennt und somit auch schlecht optimieren kann beziehungsweise keinen Anreiz zum Optimieren hat. Investitionen in energieeffizientere Komponenten, wie etwa Netzteile, Server oder Kühlsysteme, belasten das IT-Budget, die damit erreichten Einsparungen aber kommen einem anderen Unternehmensbereich zugute.

Ganzheitlich betrachtet senkt eine Verbesserung der Energieeffizienz im Rechenzentrum aber natürlich den Gesamtenergieverbrauch des Unternehmens und trägt zu einer Reduktion der Umweltbelastung bei. Der erste Schritt zu einer besseren Energieeffizienz ist die Durchführung einer Energieeffizienzanalyse. Diese Analyse sollte den aktuellen Energieverbrauch des Rechenzentrums sowie die möglichen Einsparpotenziale identifizieren. Auf Basis dieser Ergebnisse kann dann ein Plan erstellt werden, wie sich das Rechenzentrum energieeffizienter betreiben lässt.

Fazit
Nur wenn Unternehmen alle Aspekte und Komponenten eines Rechenzentrums betrachten und miteinander abstimmen, lassen sich Investitionen in Optimierungen sinnvoll einsetzen und das Rechenzentrum optimal nutzen. Durch eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung stellen Organisationen sicher, dass ihre Rechenzentren den aktuellen Anforderungen entsprechen und effizient arbeiten. Dann haben Optimierungen, neben den finanziellen Vorteilen auch eine höhere Verfügbarkeit der IT-Services, eine bessere Skalierbarkeit und eine erhöhte Sicherheit zur Folge.
18.01.2023/ln/Martin Weber, Beratung Rechenzentrum bei Prior1

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