Meldung

Einfallstor RDP

Sophos hat seine knapp viermonatige Studie "RDP Exposed: The Threat That’s Already at your Door" abgeschlossen und die Langzeitergebnisse veröffentlicht. Sie zeigt, wie Cyberkriminelle unerbittlich versuchen, Unternehmen via Remote Desktop Protocol anzugreifen. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.
RDP ist nach wie vor ein valider Grund für schlaflose Nächte von Systemadministratoren. Im vergangenen Jahr haben sich Cyberkriminelle – neben den zwei großen Ransomware-Angriffen Matrix und SamSam – fast vollständig auf Netzwerkzugriffe mit RDP konzentriert und andere Methoden weitgehend aufgegeben.

Matt Boddy, Security-Spezialist bei Sophos und Leiter der Studie [1] erklärt: "In jüngster Zeit hat ein Fehler bei der Ausführung des Remote-Code im RDP - genannt BlueKeep (CVE-2019-0708) - für Schlagzeilen gesorgt. Dies ist eine so schwerwiegende Schwachstelle, dass sie dazu genutzt werden kann, eine Ransomware-Welle auszulösen, die sich innerhalb von Stunden weltweit ausbreiten könnte.

Die Absicherung gegen RDP-Bedrohungen geht weit über das Patchen von Systemen gegen BlueKeep hinaus, denn dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Zudem müssen IT-Manager dem RDP deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken. Denn wie unsere Studie zeigt, attackieren Cyberkriminelle alle potenziell gefährdeten Computer mit RDP indem sie versuchen die Passwörter herauszufinden."

Die neue RDP-Studie von Sophos zeigt, wie Angreifer RDP-fähige Geräte bereits kurz nach dem Erscheinen im Internet finden. Als Demonstration setzte Sophos zehn geografisch verteilte Honeypots ein, um RDP-basierte Risiken zu messen und zu quantifizieren. Eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse:

  • Alle zehn Honeypots erhielten ihren ersten RDP-Login-Versuch innerhalb eines Tages.
  • Das Remote Desktop Protocol exponiert PCs in nur 84 Sekunden.
  • Die zehn RDP Honeypots protokollierten insgesamt 4.298.513 fehlgeschlagene Anmeldeversuche über einen Zeitraum von 30 Tagen. Dies entspricht einem Angriffsversuch alle sechs Sekunden.
  • Im Allgemeinen wird angenommen, dass Cyberkriminelle Websites wie Shodan nutzen, um nach offenen RDP-Quellen zu suchen. Die Studie von Sophos zeigt jedoch, dass Cyberkriminelle ihre eigenen Werkzeuge und Techniken haben, um offene RDP-Quellen zu finden, und sich nicht unbedingt nur auf Websites von Drittanbietern verlassen.

Hackerverhalten aufgedeckt


Sophos hat auf der Grundlage der Studie unterschiedliche Angriffsmuster identifiziert. Dazu gehören drei Hauptprofile: der Widder, der Schwarm und der Igel:

  • Der Widder ist eine Strategie, die darauf abzielt, ein Administrator-Passwort zu hacken. Ein Beispiel der Studie ist, dass ein Angreifer im Laufe von zehn Tagen 109.934 Anmeldeversuche am irischen Honeypot mit nur drei Benutzernamen machte, um Zugang zu erhalten.
  • Der Schwarm ist eine Strategie, die sequentielle Benutzernamen und eine endliche Anzahl der schlechtesten Passwörter verwendet. Ein Beispiel aus der Studie: In Paris wurde ein Angreifer registriert, der den Benutzernamen ABrown neunmal innerhalb von 14 Minuten verwendete, gefolgt von neun weiteren Versuchen mit dem Benutzernamen BBrown, anschließend mit CBrown, gefolgt von DBrown und so weiter. Das Muster wurde mit A.Mohamed, AAli, ASmith und anderen wiederholt.
  • Der Igel ist gekennzeichnet durch eine hohe Aktivität, gefolgt von längeren Inaktivitätsphasen. Ein Beispiel in Brasilien zeigt, dass jeder Spike, der von einer IP-Adresse erzeugt wird, etwa vier Stunden dauert und aus 3369 bis 5199 Passwortraten besteht.

Boddy erklärt, was der Umfang dieser RDP-Gefahr für Unternehmen bedeutet: „Derzeit gibt es weltweit mehr als drei Millionen Geräte, die über RDP zugänglich sind, und es ist heute ein bevorzugter Einstiegspunkt für Cyberkriminelle. Sophos hat darüber berichtet, wie Kriminelle, gezielt Ransomware wie BitPaymer, Ryuk, Matrix und SamSam einsetzen, und fast vollständig auf andere Methoden verzichtet haben, um in ein Unternehmen einzudringen.

Alle Honeypots wurden innerhalb weniger Stunden entdeckt, nur weil sie per RDP im Internet sichtbar waren. Der grundlegende Lösungsansatz besteht darin, den Einsatz von RDP so weit wie möglich zu reduzieren und sicherzustellen, dass hervorragende Passwörter im Unternehmen angewendet werden. Unternehmen müssen handeln und die passende Security zum Schutz vor den unerbittlichen Angreifern nutzen."
22.07.2019/dr

Tipps & Tools

Alles was die Sicherheit begehrt [15.01.2020]

Die Aussage, dass Datendiebe immer einen Schritt voraus sind, kommt nicht von ungefähr. Daher arbeiten Hard- und Software-Anbieter von Sicherheitslösungen oftmals mit Hackern zusammen, um den wirklich bösen Gegenspielern Paroli zu bieten. Die Internetseite "databreachtoday.com" veröffentlicht aktuelle Artikel und Interviews zu IT-Themen im Bereich Cybercrime und -security und bietet Web-Seminare und Events an. [mehr]

Cloudumgebung vor Angreifern schützen [12.01.2020]

SSRF-Angriffe werden gerade bei der Cloudnutzung immer häufiger und sind bekannt, aber während ihres Auftretens schwer zu erkennen und zu blockieren. Zu einer Server-Side Request Forgery, also einem SSRF-Angriff, kommt es, wenn Angreifer übermäßig großzügige Berechtigungen für Cloudkomponenten missbrauchen. Im Folgenden beschreiben wir, wie solche Attacken ablaufen und wie Unternehmen sich dagegen wappnen können. [mehr]

Fachartikel

Gefahr durch Cyberattacken per RDP [15.01.2020]

Das Remote Desktop Protocol ist eines der beliebtesten Werkzeuge, mit dem Systemadministratoren entfernte Systeme mit der gleichen Funktionalität zentral steuern können als wären sie vor Ort. Auch Managed Service Provider nutzen das Tool vielfach zur Verwaltung von Hunderten von Kundennetzwerken und -systemen. Zugleich aber schafft RDP ein weiteres Einfallstor für Cyberangriffe. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass durch RDP eine große und anfällige Angriffsfläche in vielen Netzwerken entstanden ist, die von Angreifern genutzt wird. Was ist für den Admin also zu tun? [mehr]

Buchbesprechung

Handbuch Online-Shop

von Alexander Steireif, Rouven Rieker, Markus Bückle

Anzeigen