Meldung

EU-US Privacy Shield vor dem Aus?

Die Europäische Kommission bereitet sich auf das Scheitern des EU-US Privacy Shield vor, die in der EU ansässigen Firmen sollten ebenfalls dringend mit den Vorbereitungen beginnen, rät Detlef Schmuck, Geschäftsführer der Hamburger Datensicherheits­firma TeamDrive. Würde die transatlantische Datenschutzvereinbarung vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) wie von vielen Seiten erwartet am 16. Juli für ungültig erklärt, stünden Millionen europäischer Unternehmen, die US-amerikanische Datendienste nutzen, im Regen.
Am 16. Juli könnte der EU-US Privacy Shield kippen - das prophezeit Detlef Schmuck, Geschäftsführer der Hamburger Datensicherheits­firma TeamDrive. "Wenn sich schon die EU-Kommission ernsthaft auf das Aus für den EU-US Privacy Shield vorbereitet, dann wird es für die Unternehmen höchste Zeit“, mahnt Detlef Schmuck zur Eile: „Deutsche Firmen sollten sich schleunigst von US-basierten Cloudanbietern lösen und zu einem deutschen Anbieter wechseln."

Datensicherheitsexperte Detlef Schmuck, der schon seit 2018 vor dem EU-US Privacy Shield warnt, spricht von einem "Scheitern mit Ansage" und verweist auf das Schreiben "EN E-001120/2020" des EU-Justiz- und Verbraucherkommissars Didier Reynders vom Mai 2020:

"Die Kommission ist eine Partei in den zwei vor dem Europäischen Gerichtshof anhängigen Verfahren, die für den Privacy Shield relevant sind (T-738-16, La Quadrature du Net und C-311/18, Schrems II). Zwar kann die Kommission das Ergebnis der Rechtsstreitigkeiten nicht vorhersagen, aber sie nimmt mögliche Szenarien in Augenschein. In diesem Zusammenhang steht die Kommission in Kontakt mit den Beteiligten einschließlich den Behörden der USA. Parallel setzt die Kommission ihre Arbeit bezüglich alternativer Instrumente für den internationalen Austausch personenbezogener Daten fort; dazu gehört auch die Überprüfung bestehender Standardvertragsklauseln."

Detlef Schmuck gibt zu bedenken, dass der EU-Generalanwalt bereits im Dezember 2019 in einer Einschätzung, die allerdings rechtlich nicht bindend ist, erhebliche Zweifel an der Gültigkeit des Abkommens geäußert hat. "Es ist doch offensichtlich, dass sich einige der größten US-Digitalkonzerne wenig um die Datenschutz-Grundverordnung kümmern", sagt der Datensicherheitsexperte, und meint: "Der EU-US Privacy Shield war von Anfang an eine Farce, um das Desaster des vorangegangenen Safe Harbor-Abkommens zu kaschieren."

Der österreichische Jurist Max Schrems hatte 2013 im Lichte der Snowden-Enthüllungen Klage eingereicht, die damit endete, dass der EuGH 2015 das bis dahin angewandte Safe Harbor-Datenschutzabkommen zwischen der EU und den USA für ungültig erklärte. Die von der EU geschaffene Anschlussregelung des EU-US Privacy Shield war im Juli 2016 von der EU-Kommission genehmigt worden, um den Schutz personenbezogener Daten, die aus einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union in die USA übertragen werden, zu gewährleisten. Bereits im März 2017 hatte die EU-Justizkommissarin Věra Jourová damit gedroht, die Absprachen außer Kraft zu setzen angesichts der "Unberechenbarkeit" der Trump-Regierung in den USA. Das "Schrems II"-Verfahren wird nach weit verbreiteter Juristenmeinung 2020 diese Regelung ebenfalls zu Fall bringen.

TeamDrive-Geschäftsführer Detlef Schmuck warnt vor einem "Datenschutz-GAU" für Firmen, die für ihre Datenablage US-amerikanische Cloudservices nutzen. Er erklärt: "Das Aus für den EU-US Privacy Shield macht alle EU-Unternehmen, die mit US-Anbietern zusammenarbeiten, zu millionenfachen Datenschutzverletzern mit unabsehbaren Folgen."
6.07.2020/dr

Tipps & Tools

HVI als Open Source erhältlich [14.08.2020]

Bitdefender hat sein Endpunkt-Sicherheitssystem "Hypervisor Introspection" als Open Source verfügbar gemacht. Die Technologie sucht nach Angriffsverfahren wie Pufferüberläufen, Heap-Spray und Code-Injektion, um schädliche Aktivitäten zu erkennen und zu unterbinden. Die Firma hat den Code als Teil des Xen Project unter der Lizenz Apache 2.0 veröffentlicht. [mehr]

Sicherheitslücke in GRUB2 entdeckt [4.08.2020]

Eclypsium-Forscher haben eine Schwachstelle namens "BootHole" im GRUB2-Bootloader entdeckt. Durch die Sicherheitslücke könne ein Angreifer den UEFI Secure Boot umgehen und eigenen Code ausführen, um Kontrolle über ein Gerät zu erhalten. Fast alle signierten Versionen von GRUB2 seien anfällig, was bedeutet, dass praktisch jede Linux-Distribution betroffen ist. [mehr]

Fachartikel

Führungskräfte für IT-Sicherheit sensibilisieren (2) [10.08.2020]

Zuletzt gaben 29 Prozent der Unternehmen an, in den letzten zwei Jahren Opfer von Angriffen auf ihre IT gewesen zu sein. Zwar reagieren Unternehmen zunehmend mit Firewalls und Co. auf die Bedrohungslage, insgesamt steht es mit der Abwehrbereitschaft aber noch immer nicht zum Besten. Einer der Gründe dafür ist die mangelnde Sensibilität auf C-Level-Ebene. Schließlich nützt es nur wenig, wenn die IT-Abteilung zwar eine realistische Einschätzung der tatsächlichen Bedrohungslage hat, die Führungsebene aber nicht die erforderlichen Ressourcen bereitstellt, um diesen Problemen zu begegnen. Die Artikelserie beschreibt daher Methoden zur Sensibilisierung von Führungskräften. In der zweiten Folge geht es darum, wie Sie WLAN-Schwachstellen aufspüren und demonstrieren. [mehr]

Buchbesprechung

Microsoft Office 365

von Markus Widl

Anzeigen