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Angreifbare Wächter

Antivirenprogramme haben den Zweck, Viren oder Trojaner zu erkennen, vor der Bedrohung zu warnen und diese möglichst zeitnah zu beseitigen. Doch was passiert, wenn das Antivirenprogramm selbst Lücken besitzt? Genau das ist geschehen. Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens Rack911 Labs entdeckten in 28 Antivirenprogrammen Sicherheitslücken.
Um die Sicherheitslücken zu erkennen, nutzen die Rack911 Labs Experten den eigentlichen Arbeitsprozess von Antivirensoftware. Normalerweise überprüft ein Antivirenprogramm jede auf dem PC abgespeicherte Datei einzeln auf Bedrohungen. Erkennt das Programm einen Schädling, so wird diese Datei entweder gesperrt oder sogar direkt gelöscht.

"Die Rack911 Labs Experten erzeugten nun eine schädliche Datei, die 28 Antivirenprogramme auch korrekt erkannten. Noch vor dem Löschen der Datei ersetzten sie jedoch die schädliche Datei gegen eine Weiterleitung auf wichtige Systemdateien. Anstatt nun erneut zu überprüfen, löschten die Antivirenprogramme Systemdateien des PCs. Somit könnten potentiell das Antivirenprogramm selbst, das Betriebssystem sowie auch viele weitere wichtige Dateien auf dem Computer gelöscht werden", erklärt Patrycja Tulinska, Geschäftsführerin der PSW GROUP [1].

Die Testreihe hat bereits 2018 begonnen. In dem ersten Test wurden die Programme von Kaspersky, Microsoft, McAfee, Eset, F-secure, Sophos, Avira, Bitdefender und Webroot positiv auf die Lücke getestet, woraufhin der Test ausgeweitet wurde. Laut Rack911 Labs wurden alle betroffenen Anbieter informiert und fast alle hätten mittlerweile die Sicherheitslücke geschlossen. "Leider hat Rack911 bisher nicht veröffentlicht, welche Hersteller die Sicherheitslücke geschlossen haben und welche noch immer angreifbar sind. Avira, F-Secure und Kaspersky haben jedoch nach eigenen Angaben den Bug mittlerweile gefixt", so Tulinska.

Antivirensoftware richtig nutzen

Wenngleich die Verwendung eines Antivirenprogramms aufgrund eventueller Verlangsamung der Systemleistung oft als lästig angesehen wird, ist sie dennoch unerlässlich. Besonders Windows-User sollten sich um ein Antivirenprogramm bemühen, denn Windows ist das aktuell am weitesten verbreitete Betriebssystem und wird dementsprechend weltweit am häufigsten, teils mit kommerziellen Schadprogrammen angegriffen.

"Ein Antivirenprogramm scannt Dateien in regelmäßigen Abständen auf Schadprogramme. Dies geschieht mittels sogenannter 'Signaturen' bekannter Schadprogramme. Da sich diese schädliche Software immer wieder erneuert, ist es besonders wichtig, das Antivirenprogramm in genauso regelmäßigen Abständen immer wieder zu updaten", mahnt die Expertin und gibt Tipps: "In vielen Antivirenprogrammen wird angezeigt, wenn neue Updates bereitstehen. Alternativ lohnt ein Blick in die Einstellungen der Software, in denen Updates angezeigt werden. Eine dritte Möglichkeit ist, direkt auf der Webseite des Herstellers nach Updates zu schauen."

In der Regel ist zudem die Funktion "Automatische Überprüfung" bereits aktiviert, wenn ein Antivirenprogramm heruntergeladen wird. Dennoch sollte der Anwender auch hier überprüfen, ob das Antivirenprogramm regelmäßig – im besten Fall nach jedem Systemstart – eine Kontrolle auf Schadsoftware beginnt. Wiederkehrende Scans sind wichtig, um Probleme frühzeitig zu erkennen.

Viele Anwender setzen auf Online-Virenscanner, die gegenüber den klassischen Programmen die Vorteile bieten, nicht installiert werden zu müssen und Updates direkt vom Anbieter durchgeführt werden. "Dennoch sollte ein Online-Virenscanner nur eine zusätzliche Hilfe sein. Er kann nämlich nicht mit der stetigen Hintergrund-Analyse der Dateien dienen, die eine der wichtigsten Aufgaben der Antivirenprogramme ist. Bei einem Online-Scanner muss der Anwender selbst manuell alle neuen Dateien durchprüfen lassen", rät Patrycja Tulinska.
23.07.2020/dr

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