Fachartikel

Seite 2 - Einkaufsführer SATA-SSDs (2)

Hier haben Enterprise-SSDs klar die Nase vorn und weisen – je nach Schreiblast – die rund dreifache Lebensdauer im Vergleich zu Consumer-Laufwerken auf. Nicht zuletzt aus diesem Grund nennen die meisten Consumer-SSDs den DWPD-Wert nicht in ihren Datenblättern. Ein letzter Indikator für die Ausfallsicherheit einer SSD ist nicht zuletzt die vom Hersteller gewährte Garantie. Während bei einer Consumer-SSD hier in der Regel nur die üblichen drei Jahre die Regel sind, tauschen die Hersteller von Enterprise-SSDs diese fast immer innerhalb von fünf Jahren aus.

Bei Zuverlässigkeit und Langlebigkeit zeigt sich also, was unter der Haube steckt. Während der Controller und seine Fähigkeiten bei Consumer-SSDs von der Stange kommen, sorgen die Hersteller von Enterprise-SSDs noch für ein ordentliches Tuning. Ein ausgereifter Error Correction Code etwa garantiert eine deutlich erhöhte Lebensdauer. So arbeitet Toshiba in seinen Enterprise-SSDs mit dem Quadruple Swing-By Code (QSBC), der sowohl unmittelbar für die Datensicherheit als auch mittelbar für die Zuverlässigkeit der SSD sorgt. Vom dabei erreichten DWPD-Wert von 1 kann sich die Konkurrenz noch etwas abschauen.

An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, wie viel Controller, DRAM-Cache und Software ausmachen: Gleich große und mutmaßlich mit dem gleichen NAND-Flash ausgestattete Enterprise-SSDs der Konkurrenz bringen es laut Datenblatt im Vergleich zu optimal eingestellten SSDs nur auf die halbe Lebensdauer. Unter dem Strich sind die Enterprise-SSDs trotz des Labels "leseintensiv" gerade in schreiblastigen Umgebungen den zwar fast ebenso schnellen, aber weniger zuverlässigen Consumer-SSDs vorzuziehen. Als Faustregel gilt, dass nur bei einer Schreibrate von unter 20 Prozent auch Consumer-SSDs mit einer akzeptablen Lebensdauer rechnen können.
Je funktionsreicher, desto professioneller
In Zeiten des Datenklaus ist Verschlüsselung eines der wichtigsten Themen in der IT-Praxis. Moderne SSDs verfügen über eine integrierte AES-256-Bit-Verschlüsselung. Sie ist grundsätzlich aktiviert, es muss jedoch im UEFI/BIOS-Menü ein ATA-Passwort gesetzt werden. Nur dann ist die SSD vor unbefugtem Zugriff geschützt. Beim Booten des Systems ist dann stets das ATA-Passwort einzugeben. Während es keine Überraschung darstellt, dass Enterprise-SSDs über diese Art der Absicherung verfügen, fiel uns positiv auf, dass auch die von uns getesteten Consumer-SSDs mit einer Controller-basierten AES-Verschlüsselung aufwarten konnten.

Die meisten SSDs verfügen über einen DRAM-Cache zur Beschleunigung von Schreiboperationen oder Controller-internen Zwecken. Um den Cache-Inhalt bei einem Stromausfall zu schützen, verfügen vor allem Enterprise SSD-Controller über einen integrierten Kondensator, um bei einem Stromausfall die Daten aus dem Cache auf die non-volatilen Flash-Chips zu schreiben. Auch wenn sich die meisten SSD-Hersteller unterschiedliche Namen für ihren Cache-Schutz bei Stromausfall überlegt haben, lässt sich festhalten, dass die Hersteller von Enterprise-SSDs ihre Modelle gegen so einen Fall abgesichert haben. Bei vielen Consumer-SSDs ist dies nicht der Fall.


SSD-Verwaltungstools wie hier Storage Executive von Crucial lesen die Parameter einer SSD aus
und übernehmen das Firmware-Update.


Für die meisten SSDs haben die Hersteller ein Verwaltungstool im Portfolio. Derartige Tools erlauben es zum Beispiel, Parameter der SSD auszulesen oder sogar ungenutzten Platz im Rahmen eines Overprovisioning für noch mehr Performance zu verwenden. Als wichtigste Funktion stellt sich das Firmware-Update dar, die entsprechende Funktion ist je nach Tool mehr oder weniger gut umgesetzt. Auch die S.M.A.R.T.-Werte kann der Nutzer mit den meisten dieser Werkzeuge auf den Bildschirm bringen, was jedoch herstellerübergreifend auch mit unabhängiger Freeware wie CrystalDisk Info zu bewerkstelligen ist. Die meisten Tools bieten zudem noch die Möglichkeit, den Festwertspeicher einem Secure Erase zu unterziehen. Hierfür bedarf es ansonsten der Kommandozeile. Die Verwaltungstools sind im Prinzip nicht mehr als ein nettes Schmankerl. Außer dem Firmware-Update leisten sie meist nichts, was sich auf anderem Weg und mit anderen Mitteln nicht auch erledigen ließe.

Zusammengefasst: Verschlüsselung ist heute ein wichtiges Thema. Sie sollten darauf achten, dass die SSD Ihrer Wahl diese ab Werk beherrscht. Bei günstigen Consumer-SSDs sollten Sie hier besonders gründlich ins Datenblatt schauen. Die Frage nach der Absicherung beim Stromausfall stellt sich primär dann, wenn die SSD über weite Strecken mit einer großen Last läuft und der DRAM-Cache somit stets recht voll sein dürfte. Hier lohnt sich das Lesen des Kleingedruckten. Manche Hersteller schreiben, dass ihre SSDs zwar Schutz vor Stromausfall bieten, allerdings nur für "Data at rest". Die Daten im Pufferspeicher sind also weg. Nur die Enterprise-Platten sorgen hier für einen echten Schutz.

Fazit
Es müssen nicht immer teure Enterprise-SSDs sein. Was die Geschwindigkeit betrifft, können auch Consumer-SSDs der Mittelklasse mit der Performance der teureren Enterprise-Laufwerke mithalten – zumindest im SATA-Bereich. Etwas anders sieht es mit der Zuverlässigkeit und der Langlebigkeit der Enterprise-Variante aus – hier weisen die Profi-Festwertspeicher ihre günstigen Kollegen dann doch in die Schranken.

Auch hier sei jedoch ein kleines "Ja, aber" angemerkt: Auf wessen Server nur wenig Daten geschrieben werden, der kann eventuell auch mit der durchschnittlichen Haltbarkeit einer Consumer-SSD leben. Liegt die Schreiblast hingegen bei über 20 Prozent, empfiehlt sich allein schon aus Garantiegründen der Griff zur Enterprise-SSD. Auch weitere Funktionen wie echter Cache-Schutz bei Stromausfall und AES-Verschlüsselung sind oft nur bei Profi-SSDs zu finden.

Seite 1: Unterschiede zwischen Consumer- und Enterprise-SSDs
Seite 2: Je funktionsreicher, desto professioneller

Im ersten Teil des Einkaufsführers hatten wir uns mit dem Aufbau und den verschiedenen Arten von SSDs beschäftigt.


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8.05.2017/Lars Nitsch

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