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Seite 2 - Anwenderbericht: RZ-Ausbau durch Flash-Speicher

Unterschiedliche Workloads mit Read-Write-Mix
Daraufhin sondierte Schend den Markt, um möglich Lösungen zu vergleichen. Ziel war es, mehr Storage-Dichte und höhere Leistung im Rahmen einer kosteneffizienten Architektur zu erreichen. "Auf dem Markt gab es bereits All-Flash-SANs, doch wir waren mit der Spiegelung mit Hilfe der DataCore-Software ziemlich zufrieden. Schließlich war es das InfiniFlash-System, das perfekt zu uns passte. Es war eine ganz natürliche Entwicklung", erklärt uns Schend. CompuGroup Medical ist dabei, das InfiniFlash-System in zwei Frankfurter Rechenzentren zu installieren.

Aufgrund der inhärenten Intelligenz des DataCore-Software-Produkts nutzt die CompuGroup Medical das InfiniFlash-System meistens als ein JBOF (Just a Bunch of Flash). Aufgrund des übergreifenden Stripings der Daten auf 8-TByte-InfiniFlash-Cards profitiert die CompuGroup Medical neben der besseren Leistung auch von mehr Caching und einer höheren Laufwerk-Verfügbarkeit sowie einer erhöhten Elastizität. "Wir entschieden uns für InfiniFlash, weil es für uns nicht einfach ist, vorauszusagen, wie sich unser Workload verhalten wird", erklärte Schend. "Wir bemühen uns um eine sehr gute Gesamtleistung mit etwa 50/50 Lese- und Schreibzugriffen. Wir tunen die Infrastruktur nicht für eine spezifische Anwendung, sondern für unterschiedliche Workloads."

Schend zeigt sich auch erfreut über die Auswirkung auf das Rechenzentrum. "Wir haben uns hingesetzt und nachgerechnet, wie viel Platz und Kühlung wir für unsere herkömmlichen, gespiegelten 900-GByte-Spindeln benötigen, und haben das anschließend mit dem Platzbedarf des Flash-Systems verglichen. Vor allem der preisliche Aspekt stellte sich als wirklich attraktiv heraus. Zudem waren die Risiken gering. Da wir einen übergeordneten, virtualisierten Data Layer haben, war das Risiko nicht besonders groß."
Von 15 auf 1 Millisekunde
Um die Auswirkung einer Implementierung des InfiniFlash-Systems festzustellen, verglich die CompuGroup Medical die bestehende Festplatten-Architektur in Koblenz mit dem neuen InfiniFlash-System in Frankfurt. "In Koblenz haben wir eine Zugriffszeit von 15 bis 20 Millisekunden auf die Daten der SAN-Seite – was in Ordnung ist", sagt Schend. "Mit dem InfiniFlash-System benötigen wir jedoch nur noch eine Millisekunde für jedes Daten-Bit, auf das wir zugreifen." Außerdem erfolgte bei der Vorgänger-Architektur der Speichervorgang zweistufig auf Festplatten und Fusion ioMemory Cards. Mit der neuen Architektur gibt es nur eine Stufe auf Basis des Flash-Systems, was zu jedem beliebigen Zeitpunkt die erforderliche Leistung bietet.

Beim Nachrechnen der Stromkosten und des Platzbedarfs konnte CompuGroup Medical erhebliche Einsparungen feststellen. "Meine Berechnungen zeigen, was passiert, wenn man von 64 TByte auf 128 TByte oder sogar 512 TByte aufstockt", fuhr Schend fort. "Mit dem Flash-System liegt der Footprint immer noch bei drei Racks, verglichen mit dem, was für zusätzliche Laufwerke erforderlich wäre. Für 64 TByte würden wir drei 3U-JBOD-Festplatten-Einschübe benötigen, die jeweils mindestens 24 Festplattenlaufwerke aufnehmen müssten". Das Unternehmen kann mit der Flash-Architektur auch erhebliche Einsparungen bei Strom und Kühlung verwirklichen. "Für 900 GByte brauchen wir für die Spiegelung vier Spindeln – zwei Spindeln auf jeder Seite von DataCore – was 20 Watt benötigt", so Schend weiter. Das InfiniFlash-System dagegen benötigt ungefähr 500 Watt, um zu laufen – nahezu ein Drittel dieses Strombedarfs.

Fazit
Schend ist hinsichtlich der Zukunft von Flash im Rechenzentrum optimistisch. "Wir werden die Lösung in Frankfurt installieren und dann die Kapazität ausbauen, wenn wir an Grenzen stoßen", sagt Schend. "Wir überlegen, das Flash-System in all unseren Rechenzentren einzusetzen, wobei Frankfurt als Modell- und Pilotprojekt dient. Sobald es sich als Lösung für unsere Workloads bewährt hat, planen wir die Implementierung auch in unseren anderen Rechenzentren." Der Umstand, dass beim Speichern von Daten auf Flash Storage Devices keine Mechanik im Spiel ist, stellt einen weiteren Vorteil dar: "Ich persönlich würde voraussagen, dass in zwei Jahren das All-Flash-Rechenzentrum eine Option für die meisten Unternehmen sein wird, da die Ausfallrate so gering ist und der Stromverbrauch und die Kühlung darüber hinaus wirtschaftlich", so Schend. Außerdem kommt dem Unternehmen zu Gute, dass nun 1 PetaByte Storage nur noch einen 6U Footprint benötigt.

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12.07.2017/ln/Wolfgang Pauels, Enterprise Channel Manager Central Europe bei SanDisk

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