Fachartikel

Seite 2 - Datenrettung bei Software-defined Storage

Probleme und Risiken bei SDS-Systemen
Ein Problem der zunehmenden "Softwareisierung" wird allerdings übersehen oder verdrängt: Mit den neuen Datenstrukturen der SDS-Softwarelösungen kommt es zu zusätzlichen Problemen bei Ausfällen oder Defekten. Egal, ob physische Festplatten-Ausfälle durch Verschleiß oder Datenverlust durch menschliches Versagen durch Fehlbedienungen: Mit zunehmendem Einsatz von SDS-Plattformen kommt sowohl für die Anwender als auch für professionelle Datenretter zusätzliche Komplexität hinzu. In Anbetracht der Tatsache, dass innerhalb der SDS-Software-Schicht mit ihrer Datenstruktur noch die virtuelle Datenschicht liegt, in der dann die eigentlichen Daten oder gar Datenbanken liegen, wird das ganze Ausmaß der Problematik klar. Hinzu kommt, dass eine Vielzahl von unterschiedlichen SDS-Datenstrukturen eingeführt wurden, die bislang noch keinen einheitlichen Standard haben.

Aller Versprechungen der Hersteller über eine hohe Ausfallsicherheit zum Trotz: Ja, auch SDS-Systeme sind nicht vor Fehlern gefeilt und können Probleme bereiten, die zu einem Datenverlust führen! Und wenn es dann plötzlich zu Schwierigkeiten kommt, stehen selbst gestandene IT-Administratoren oft vor großen Schwierigkeiten. Dann kommen die Datenretter ins Spiel: Vereinfacht dargestellt ist eine Datenrettung eines solchen komplexen Systems vergleichbar mit einem über mehrere Schichten verlaufendes "Daten-Puzzles". Ebene für Ebene, Schicht für Schicht müssen die vorhandenen Strukturen wiederhergestellt werden, bis es gelingt, die Daten innerhalb des Gesamtsystems wieder an die Oberfläche zu bringen. Trotz vorhandener oder neu entwickelter Software-Werkzeuge ist dabei die große Herausforderung für die Spezialisten, die Strukturen und die Abhängigkeiten zunächst erkennen und anschließend auslesen und zuordnen zu können.
Maßnahmen gegen den Datenverlust
Damit es beim Einsatz von SDS nicht zu einem Datenverlust kommt – oder zumindest deren Auswirkungen auf ein Minimum begrenzt – sollten Unternehmen folgende Tipps beherzigen:

  • Ausgefeilte Datensicherungsstrategie implementieren: Beim Einsatz oder beim Aufbau einer SDS-Plattform ist es besonders wichtig, über eine versierte Datensicherungsstrategie und über funktionierende Data-Recovery-Prozesse zu verfügen. Das schließt ein, diese Prozesse auch permanent zu überprüfen, sodass sich im Fall eines Datenverlusts die notwendigen und richtigen Schritte einleiten lassen.
  • Detaillierte Dokumentation des Systems vorhalten: Einer der wichtigsten Vorgaben, die man als Nutzer befolgen kann, ist eine detaillierte und aktuelle Dokumentation des SDS-Systems samt permanenter Aktualisierung. Hierin sollten das Design und die gesamte Verzeichnisstruktur des Systems aufgelistet sein. Änderungen am Storage-Design im späteren Betrieb sollten zeitnah in die Dokumentation eingefügt werden.
  • Backup-Plan auch wirklich umsetzen: Besonders wichtig ist es gerade bei diesen komplexen Systemen, einen ausgeklügelten Backup-Plan ausgearbeitet zu haben und diesen umzusetzen, sodass sich beim Ausfall eines Speichers die Daten schnell wieder einspielen lassen.
  • Systemeinstellungen ebenfalls sichern: Es ergibt Sinn, neben den normalen Backups eine Sicherungskopie über die Systemeinstellungen zu erstellen, sodass sowohl das Unternehmen als auch die Datenretter später darauf zurückgreifen können, falls es zu komplexen Systemausfällen kommt.
  • Testen, ob das Backup wirklich funktioniert: Oftmals werden in Firmen zwar Backups (automatisch) erstellt, aber nie wirklich auf Funktionsfähigkeit überprüft. Deshalb sollten Admins immer wieder die Backups auf Funktionsfähigkeit prüfen.
  • Langfristige Zusammenarbeit mit einem Datenrettungsexperten: Bei sehr komplexen SDS-Systemen, die in geschäftskritischen Bereichen Verwendung finden, für die aber nur sehr begrenzt internes Knowhow im Unternehmen vorhanden ist, sollte über eine langfristige Zusammenarbeit mit einem anerkannten Datenrettungsdienstleister nachgedacht werden. Denn bleiben über Stunden SDS-Systeme nicht zugänglich, kann es zu sehr hohen Folgekosten kommen.
Fazit
Egal, für welche Storage-Lösung Sie oder Ihr Unternehmen sich entscheiden, eine sorgfältige Vorausplanung und gut geschulte Experten sind in keinem Fall verzichtbar. Auf Datenrettungsselbstversuche sollten Unternehmen in den meisten Fällen verzichten. Denn es ist oft so, dass durch falsche Maßnahmen nicht nur die Schäden, sondern auch die Komplexität der anschließenden Datenrettung stark ansteigt. Kaum ein IT-Mitarbeiter ist in der Lage, die Konsequenzen seiner Handlungen im Detail zu überblicken und so kann ein Fehler selbst für Experten bei der Datenrettung zu einer zeitaufwendigen Herausforderung werden.

Seite 1: Wo sind die Daten bei SDS wirklich gespeichert?
Seite 2: Probleme und Risiken bei SDS-Datenverlusten

<< Vorherige Seite Seite 2 von 2
1.11.2017/ln/Michael Nuncic, Marketing Communications Manager bei Kroll Ontrack

Nachrichten

Hybrides NAS [6.03.2020]

QNAP bringt mit dem "TS 1886XU-RP" ein neues NAS der Unternehmensklasse auf den Markt. Die Appliance dient als hybrides Speichergerät und bietet Platz für zwölf Festplatteneinschübe und sechs dedizierte SSDs. Das 2U-Rackmount-NAS ist mit einem Intel-Xeon-Prozessor der D-1600 Serie sowie DDR4-Error-Correcting-Code-Speicher ausgestattet. [mehr]

All-Flash-Speicher im Abo [6.03.2020]

Im Rahmen seines Subskriptionsmodells "Evergreen" stellt Pure Storage eine neue Version der Betriebsumgebung "Purity" für sein All-Flash-Produkt "FlashArray" vor. Laut Hersteller bietet Purity 5.3 unter anderem mehr Multi-Cloud-Unterstützung, eine verstärkte Sicherheitsfunktionalität und eine Verbesserungen der Quality-of-Service. [mehr]

Tipps & Tools

Das bringt 2020 für Flash-Speicher [12.03.2020]

In diesem Jahr wird Flash für noch mehr Workloads eingesetzt, die bisher auf HDD- oder Hybridsystemen betrieben wurden. Dazu gehören Tier-2-Anwendungsfälle, Big-Data-Analytik und die schnelle Wiederherstellung von immer größer werdenden geschäftskritischen Systemen und Datenbanken. Flash gewinnt außerdem in Hybrid-Cloud-Szenarien und als Scale-out-Speicherlösung mit Datei- und Objektspeicherung an Bedeutung. Der Fachartikel gibt einen Ausblick darauf, mit welchen Neuerungen im Bereich Flash 2020 zu rechnen ist. [mehr]

Download der Woche: Meld [15.10.2019]

Bei der Systemwartung finden sich immer wieder doppelt vorhandene Dateien und Ordner unter Windows. Diese sorgen nicht nur für Verwirrung, sondern rauben auch Zeit beim Säubern der Struktur auf dem Rechner. Mit dem kostenfreien Tool "Meld" lassen sich durch einen sogenannten "Zwei- und Drei-Wege-Vergleich" sowohl von Files als auch Verzeichnissen die nicht mehr benötigten Daten ermitteln. [mehr]

Buchbesprechung

Technik der IP-Netze

von Anatol Badach und Erwin Hoffmann

Anzeigen