Fachartikel

Seite 2 - Objektspeicher plus Dateispeicher, nicht Entweder-oder

Umfassende Anwendungskompatibilität
Fast alle der heute in Unternehmen eingesetzten Anwendungen sind mit den File-Sharing-Protokollen CIFS/SMB und NFS kompatibel. Dadurch lassen sich von ihnen erzeugte Daten auf jeden Dateiserver und jedes NAS-Gerät lesen oder schreiben – einzige Voraussetzung ist, dass die Standards unterstützt werden. Bei der Objektspeicherung hat sich für die Speicherung und Verwaltung von Daten hingegen die S3-API von Amazon als Norm durchgesetzt. Doch nicht jede Anwendung kommt mit der Schnittstelle zurecht – das bedeutet in vielen Fällen, dass Applikationen neu- oder umgeschrieben werden müssen.

Ein objektspeicherbasiertes File-System, das ebenso wie die traditionellen Pendants mit gängigen Protokollen arbeitet, löst dieses Problem. Ähnlich wie andere Dateisysteme stellt es eine Middleware-Schicht bereit, über die sich Daten aus jedweder Anwendung organisieren, ablegen, sichern, schützen und verwalten lassen. Dieses Konzept sorgt dafür, dass Objektspeicher inzwischen gleichermaßen mit einem breiten Spektrum an Applikationen umgehen können, ohne dass diese angepasst werden müssen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Inaktive Daten aus gleich welcher Anwendung lassen sich einfach und kostengünstig archivieren, Dateiserver und NAS-Systeme konsolidieren und Dateien standortübergreifend für die Zusammenarbeit bereitstellen.

Erweiterter Datenschutz
Für den Schutz der Daten sorgt bei herkömmlichen Datenspeichern meist Backupsoftware von Drittanbietern. Sie führt anhand eingerichteter Sicherungspläne vollständige und ergänzende inkrementelle Backups durch. Gesetzte Wiederherstellungspunkte garantierten dabei, dass sich Daten exakt so rekonstruieren lassen, wie sie zu einer bestimmten Zeit vorlagen.

Zudem kommen Snapshot-Techniken zum Einsatz, mit denen sich zeitpunktgenaue Kopien von Daten erstellen und auf einen zweiten Plattenspeicher schreiben lassen. Um zu umgehen, dass die Momentaufnahmen zu viel Platz beanspruchen, werden sie in der Regel nicht länger als eine Woche aufbewahrt und meist von den nächsten darauf erfolgenden Snapshots überschrieben.

Objektspeicher kommen hingegen mit Geo-Replikation, mittels der sich Kopien der Daten an verschiedenen räumlich voneinander getrennten Standorten vorhalten lassen. Zwar lässt sich sich dank dessen im Disaster-Recovery-Fall Datenverlusten vorbeugen. Allerdings deckt dies nicht die Wiederherstellung auf Dateiebene ab, die darauf abzielt, einzelne Dateien oder Verzeichnisse aus verschiedenen Wiederherstellungspunkten zurückzugewinnen.

Objektspeicherbasierte Dateisysteme stellen die hierfür erforderlichen Funktionen bereit. Hierzu gehört unter anderem eine fortlaufende Versionierung: Sobald sich eine Datei ändert, wird von ihr ein Snapshot erstellt, dieser verschlüsselt, dedupliziert sowie komprimiert und die Delta-Differenz als eigenständige Dateiversion per WORM- (Write Once Read Many) Verfahren im Object-Storage-System gespeichert. Dadurch ist sie weder wiederbeschreib- noch löschbar. Darüber hinaus wird für jede Datei im Objektspeicher ein unveränderlicher Versionsverlauf angelegt. Dadurch lässt sich auf Backupsoftware, Hardware oder Speichermedien verzichten, deren Verwaltung und damit einhergehende Kosten entfallen.

Ein weiterer Pluspunkt: Moderne objektspeicherbasierten Dateisysteme ermöglichen in den meisten Fällen jede Dateiversion im Self-Service-Verfahren wiederherzustellen. Infolgedessen lassen sich bessere Wiederherstellungspunkte (RTO) und -zeiten (RPO) erzielen.
Standortübergreifende Dateisynchronisierung
Digitalisierte Unternehmen sind auf Lösungen angewiesen, die ihren Mitarbeitern die standortübergreifende Zusammenarbeit erleichtern. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist, dass sich Daten effizient speichern und synchronisieren lassen. Bei der klassischen dateiorientierten Speicherung fordert dies neben NAS-Systemen im Rechenzentrum den Einsatz von Dateiservern in jeder Lokation. Damit die Replizierung der Dateidaten im gewünschten Tempo vonstatten geht, müssen die Systeme über breitbandige MPLS-Leitungen miteinander verbunden sein. Um Remotezugriffe mit hoher Performance abzuwickeln, führt außerdem in vielen Fällen kein Weg um WAN-Beschleuniger herum. Letztlich muss auch ein umfassender Schutz der Daten sichergestellt werden, dementsprechend an jedem Standort eine Backup- und DR-Infrastruktur aufgesetzt sein.

Ohne Frage ist das eine kostspielige Angelegenheit, da die gesamte Systemlandschaft stets auf dem neuesten Stand gehalten und verwaltet werden muss. Entspricht diese nicht den Anforderungen der Anwender, besteht die Gefahr, dass sie für die Übertragung, Synchronisierung und gemeinsame Arbeit an Dateien eigenmächtig auf FTP-Sites, File-Transfer-Software oder File-Sync- und Share-Lösungen zurückgreifen und eine Schatten-IT entsteht.

Einfacher und kostengünstiger lässt sich die standortübergreifende Speicherung und Synchronisierung von Dateien selbst in größtem Maßstab über den objektbasierten Ansatz mit einem globalen Dateisystem realisieren. Dieses legt Masterkopien aller Dateien, also auch der in den lokalen Caches vorgehalten Files, in einem privaten oder öffentlichen Cloud-Objektspeicher ab. Damit sind diese jederzeit und von jedem Punkt aus zugänglich. Nur an den aktiven Dateien vorgenommene Änderungen werden über breitbandige in Hochgeschwindigkeit arbeitende Internet-Verbindungen an die Edge-Appliances übertragen und diese damit beständig synchron gehalten.

Bei Änderungen erfolgt ein automatischer Abgleich der Datum- und Zeitstempel und es wird eine neue Version der Datei angelegt und gespeichert. Diese enthält nur die modifizierten Fragmente des Originals und belegt dadurch kaum Speicherplatz. Aufgrund der Skalierfähigkeit von Objektspeichern, lässt sich eine unlimitierte Zahl an Versionen kostengünstig aufbewahren.

Arbeiten mehrere Anwender mit dem gleichen Datenbestand, geht es nicht ohne File-Locking. Diese Funktion verhindert, dass Änderungen an Dateien simultan vorgenommen werden können. Ein objektspeicherbasiertes Dateisystem greift diese von dateibasierten File-Systemen bekannte Möglichkeit auf, wendet sie jedoch global an. Dies stellt sicher, dass immer nur ein Anwender, ganz gleich an welchem Standort er sich rund um den Globus befindet, eine Datei ändern kann. Wird diese Option als Clouddienst mit redundanten Lock-Servern und integriertem Failover umgesetzt, lassen sich durch Versionskonflikte verursachten Daten- und daraus resultierenden Produktivitätsverlusten ein Riegel vorschieben.

Fazit
Analog zur Servervirtualisierung, bei der die Rechenanforderungen und nicht die Hardware die Bereitstellung von Anwendungen und deren Verwaltung bestimmt, schafft ein globales File-System die Basis für Dateiinfrastrukturen, die nicht länger an spezifische Speichervarianten gebunden sind. Dies befreit Unternehmen von Entweder-oder-Entscheidungen, da sie nunmehr die Vorteile von Objektspeichern ausschöpfen können, ohne auf die bislang klassischen Dateispeichern vorbehaltenen Vorteile verzichten zu müssen.

Seite 1: Schneller Zugriff auf aktive Dateien

<< Vorherige Seite Seite 2 von 2
3.10.2018/ln/Zeljko Dodlek, Sales Manager DACH bei Nasuni

Nachrichten

Hybrides NAS [6.03.2020]

QNAP bringt mit dem "TS 1886XU-RP" ein neues NAS der Unternehmensklasse auf den Markt. Die Appliance dient als hybrides Speichergerät und bietet Platz für zwölf Festplatteneinschübe und sechs dedizierte SSDs. Das 2U-Rackmount-NAS ist mit einem Intel-Xeon-Prozessor der D-1600 Serie sowie DDR4-Error-Correcting-Code-Speicher ausgestattet. [mehr]

All-Flash-Speicher im Abo [6.03.2020]

Im Rahmen seines Subskriptionsmodells "Evergreen" stellt Pure Storage eine neue Version der Betriebsumgebung "Purity" für sein All-Flash-Produkt "FlashArray" vor. Laut Hersteller bietet Purity 5.3 unter anderem mehr Multi-Cloud-Unterstützung, eine verstärkte Sicherheitsfunktionalität und eine Verbesserungen der Quality-of-Service. [mehr]

Tipps & Tools

Das bringt 2020 für Flash-Speicher [12.03.2020]

In diesem Jahr wird Flash für noch mehr Workloads eingesetzt, die bisher auf HDD- oder Hybridsystemen betrieben wurden. Dazu gehören Tier-2-Anwendungsfälle, Big-Data-Analytik und die schnelle Wiederherstellung von immer größer werdenden geschäftskritischen Systemen und Datenbanken. Flash gewinnt außerdem in Hybrid-Cloud-Szenarien und als Scale-out-Speicherlösung mit Datei- und Objektspeicherung an Bedeutung. Der Fachartikel gibt einen Ausblick darauf, mit welchen Neuerungen im Bereich Flash 2020 zu rechnen ist. [mehr]

Download der Woche: Meld [15.10.2019]

Bei der Systemwartung finden sich immer wieder doppelt vorhandene Dateien und Ordner unter Windows. Diese sorgen nicht nur für Verwirrung, sondern rauben auch Zeit beim Säubern der Struktur auf dem Rechner. Mit dem kostenfreien Tool "Meld" lassen sich durch einen sogenannten "Zwei- und Drei-Wege-Vergleich" sowohl von Files als auch Verzeichnissen die nicht mehr benötigten Daten ermitteln. [mehr]

Buchbesprechung

Technik der IP-Netze

von Anatol Badach und Erwin Hoffmann

Anzeigen