Fachartikel

Seite 2 - Mobil und flexibel mit einer virtuellen Desktop-Infrastruktur

Auswahl der passenden Architekturvariante
Die wohl größte Herausforderung bei der Umstellung von einer dezentralen zu einer zentralisierten und virtualisierten Client- Infrastruktur besteht darin, die am besten geeignete Architekturvariante auszuwählen und dabei die Dimensionierung der involvierten Komponenten richtig einzuschätzen. Hier gilt es, bei der Größenordnung (Sizing) der beteiligten Komponenten wie Server-CPU und -Arbeitsspeicher, Storage und Netzwerk eine zu geringe Dimensionierung unbedingt zu vermeiden.

Die Endanwender erwarten nämlich völlig zu Recht, in einer virtualisierten Client- Umgebung mindestens ebenso effizient – auf keinen Fall aber langsamer oder störungsanfälliger – arbeiten zu können wie in ihrem vertrauten Arbeitsumfeld. Haben die Anwender in den Fachabteilungen als Folge des VDI-Projekts Verzögerungen oder gar Unterbrechungen in ihrer gewohnten Arbeitsweise zu verzeichnen, ist der Widerstand programmiert. Die IT-Abteilung ist dann gezwungen, nachträglich technisch aufzurüsten, um den Vertrauensverlust zu beheben. Auf der anderen Seite verursacht eine Überdimensionierung unnötig hohe Kosten sowohl bei der Anschaffung als auch im Unterhalt.

Darüber hinaus sind bei VDI-Projekten wichtige Entscheidungen zu treffen, beispielsweise wie die Mitarbeiter möglichst sinnvoll in Benutzergruppen einzuteilen sind. Ziel ist, jeder Gruppe eine einheitliche Virtual-Client-Variante bereitzustellen, ohne unnötig viele Vorlagen (Golden Images) erstellen und verwalten zu müssen. Dazu kommen technisch relevante Fragen wie: "Welche Benutzergruppe erhält einheitliche, gemeinsam verwendbare (Shared) Desktops, welche Anwender hingegen können persistente Desktops nutzen, die einmal eingegebene Benutzereinstellungen und -daten dauerhaft speichern?"

Fragen wie diese können sich einerseits stark auf die Benutzerfreundlichkeit der virtuellen Desktops auswirken. Andererseits haben sie in technischer Hinsicht unter anderem Einfluss auf die Speicheranforderungen und damit auf die Kosten des Client-Virtualisierungsprojekts, denn ein unterschätzter Storage-Bedarf kann die anfängliche Kostenkalkulation eines VDI-Projekts leicht ins Wanken bringen.


Bild 2: Virtual Desktop Infrastructure Services erstrecken sich als Ende-zu-Ende-IT-Lösungen
von einer Machbarkeitsstudie über das Design und die Implementierung bis hin zum Betrieb.


Auch das reibungslose Zusammenspiel der einzelnen Komponenten muss sichergestellt sein. Zu berücksichtigen sind dabei sowohl Hardwarebausteine wie Server(farm) oder Cluster, Storage, Netzwerk und Clients als auch Softwarekomponenten, darunter die Virtualisierungsplattform, die VDI-Lösung selbst, der Connection Broker für den Verbindungsaufbau, der Webserver für Fernzugriffe via Web und nicht zu vergessen die Datenbanken zur Bereitstellung der Virtual Desktops sowie der benutzerspezifischen Profildaten.

Zwar veröffentlichen alle namhaften VDI-Lösungsanbieter Referenzlisten mit zertifizierten Lösungskomponenten, doch hier ist nicht nur die Eignung eines einzelnen Bausteins für eine bestimmte VDI-Plattform von Belang, sondern vielmehr das reibungslose Zusammenspiel aller involvierten Komponenten. Dies ist einer der Gründe, warum sich derartige Migrationen durchaus über mehrere Monate erstrecken können. Hinzu gesellen sich – wie immer bei solchen Projekten – Fragen der Hochverfügbarkeit, der Lastverteilung, der Datensicherheit, des Schutzes vor Missbrauch, der sicheren Fernzugriffe wie auch der Wiederherstellung des Normalbetriebs im Notfall (Disaster Recovery).

Erfahrungen anderer nutzen
Nicht zu vergessen ist auch bei einem IT-Rollout die banale Weisheit "Zeit ist Geld". Deshalb ist es bei der Einführung einer Client-Virtualisierung sinnvoll, das Rad nicht immer neu erfinden zu wollen, indem man einen langwierigen "Proof of Concept" und individuelle Pilotprojekte durchführt. Vielmehr sollten Unternehmen die vorhandenen Möglichkeiten nutzen, den beispielsweise bei Dienstleistern vorhandenen Erfahrungsschatz mit Client- Virtualisierungsprojekten für das eigene Vorhaben zu nutzen.

Hier können vorkonfigurierte Lösungen ebenso wie Lösungsblaupausen ihre Stärken ausspielen, denn diese führen das in zahlreichen Client-Virtualisierungsprojekten gesammelte Wissen zu Best-Practice- Vorgehensweisen (Blueprints) oder sogar zu aufeinander abgestimmten Hardware-Software-Kombinationen (also Komplettlösungen) zusammen – bis hin zu genau auf diese Lösungen abgestimmten Endgeräten.

Fazit
Richtig angepackt sparen Unternehmen mit VDI Kosten und vereinfachen die Administration, ohne Einschränkungen bei der Anwendererfahrung hinnehmen zu müssen. Vor allem bei der Wahl der Architektur, dem Sizing und dem Zusammenspiel der einzelnen Komponenten gilt es daher, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Hierfür bietet es sich mitunter an, die Erfahrungen von Dienstleistern zu nutzen.


   
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15.12.2014/dr/ln/Hagen Dommershausen, Marketing Sr. Manager bei Dell Cloud Client Computing

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