Fachartikel

Hyper-V-Replica einrichten und betreiben (1)

Windows Server 2012 R2 verbessert die Ausfallsicherheit und Hochverfügbarkeit von Hyper-V deutlich. Bereits mit Windows Server 2012 führte Microsoft die Replikation von virtuellen Servern zwischen Hyper-V-Hosts ein, doch mit Hyper-V-Replica lassen sich virtuelle Server noch besser zwischen maximal drei Hyper-V-Hosts replizieren und synchron halten. Windows Server 2012 unterstützt in diesem Bereich nur zwei Hyper-V-Hosts für die Replikation. In der neuen Version können Administratoren die Replikation auch wie eine Serverkette anordnen. Dieser Workshop zeigt Ihnen, wie Sie Hyper-V-Replica für Stand-Alone-Server und Cluster einrichten und betreiben.
Hyper-V-Replica sind das doppelte Lottchen der Server-Virtualisierung.
Die Replikation der Serverdaten findet über das Dateisystem und das physische Netzwerk statt und benötigt weder spezielle Hardware noch Cluster. Die Replikationen lassen sich manuell oder nach einem Zeitplan durchführen. Produktiv ist Hyper-V-Replica sinnvoll, wenn Sie Hyper-V-Hosts vor Ausfall schützen wollen. Fällt ein Hyper-V-Server aus, können Sie die replizierten Server auf einem anderen Server aktiv schalten. Mit Hyper-V-Replica erlangen also auch kleine Umgebungen eine effiziente Ausfallsicherheit, ohne dazu auf spezielle Hardware oder einen Cluster zurückgreifen zu müssen.

In Windows Server 2012 ließ sich das kürzeste Synchronisierungsintervall auf fünf Minuten anpassen. Mit Windows Server 2012 R2 reduziert sich dieser Intervall auf 30 Sekunden, in denen die Daten zwischen den Hosts replizieren. Außerdem können Sie die Replikation auf bis zu 15 Minuten ausdehnen. Die Flexibilität hat sich also deutlich erhöht.

Hyper-V-Hosts für Replikation aktivieren
Hyper-V-Replica konfigurieren Sie entweder im Hyper-V-Manager, dem System Center Virtual Machine Manager 2012 R2 oder mit der PowerShell. Am einfachsten nehmen Sie die Einrichtung über einen Assistenten im Hyper-V-Manager vor. Dies ist auch im produktiven Betrieb möglich. Die Quell-VM läuft bei diesem Vorgang weiter und die Benutzer werden nicht beeinträchtigt. Natürlich kann die Übertragung der Serverdaten auf die Zielserver die Quell-Hosts etwas beeinträchtigen, Sie können nach der Einrichtung aber auch festlegen, dass die erste Übertragung zu den Ziel-Hyper-V-Hosts erst zu bestimmten Zeiten stattfinden soll, an denen keine Benutzer mit den virtuellen Servern auf dem Quellserver arbeiten.

Fällt ein Hyper-V-Host aus, lassen sich die replizierten Server online schalten, sobald diese eine aktuelle Kopie nutzen können. Da der Servername, die IP-Adresse und andere Einstellungen im virtuellen Server gespeichert sind, können die Benutzer nahezu uneingeschränkt weiter arbeiten. Nach der ersten Übertragung müssen nur noch Änderungen gesendet werden. Die erste Übertragung können Sie mit einem externen Datenträger vornehmen.

Die Replikation ist auch in Clustern möglich. In diesem Fall starten Sie die Replikation über das Kontextmenü des virtuellen Servers in der Failovercluster-Verwaltung. Die Einrichtung entspricht der Konfiguration ohne Cluster. Die Einstellungen für die Replikation nehmen Sie in diesem Fall ebenfalls in der Clusterverwaltung vor, indem Sie mit der rechten Maustaste auf den virtuellen Server klicken. In einem solchen Szenario können Sie virtuelle Server zum Beispiel zwischen einem Hyper-V-Cluster mit einem anderen Hyper-V-Cluster replizieren oder Sie lassen virtuelle Server von einem Cluster auf einen Standby-Server replizieren. Die Nutzung der Hyper-V-Replikation in einem Cluster ist allerdings optional. Alle Funktionen sind auch für alleinstehende Server verfügbar.



Damit Hyper-V-Hosts eine solche Replikation erlauben, müssen Sie diese zunächst für die einzelnen Hyper-V-Hosts aktivieren. Danach wählen Sie die virtuellen Server aus, die Sie replizieren lassen wollen. Dazu starten Sie den Assistenten über das Kontextmenü des gewünschten virtuellen Servers auf dem Quellserver, geben den Zielserver ein – also den Hyper-V-Host, auf den Sie den virtuellen Server replizieren wollen – und legen danach noch Zeitplan und weitere Einstellungen fest. Der virtuelle Server auf dem Quellserver bleibt aber weiterhin verfügbar und aktiv. Auf die Details kommen wir gleich zu sprechen. Sie müssen natürlich nicht alle virtuellen Server auf einem Hyper-V-Host replizieren lassen. Außerdem können Sie virtuelle Server zu verschiedenen Hyper-V-Hosts replizieren.

Damit ein Hyper-V-Host für Replikate zur Verfügung steht, müssen Sie auf dem Server in den Hyper-V-Einstellungen im Bereich "Replikationskonfiguration" die Funktion aktivieren und an Ihre Bedürfnisse anpassen. Sie legen in diesem Bereich zum Beispiel die Verschlüsselung und Authentifizierung fest und von welchen Hyper-V-Hosts der aktuelle Server Replikate annimmt. Im ersten Schritt aktivieren Sie daher zunächst die Funktion, Einstellungen nehmen Sie noch keine vor.

Hyper-V-Replica steht uneingeschränkt auch auf Servern mit Hyper-V-Server 2012 R2 zur Verfügung. Setzen Sie diesen ein, lässt sich dieser Server optional über den Hyper-V-Manager von einem anderen Hyper-V-Host verwalten. Einstellungen bezüglich der Replikation können Sie auch über das Netzwerk vornehmen. Es gibt hier keine Unterschiede zu Windows Server 2012 R2.


Die zertifikatsbasierte Authentifizierung der Hyper-V-Replikation
muss zunächst auf dem entsprechenden Host eingerichtet werden.


Achten Sie während der Einrichtung von Hyper-V-Replica auch darauf, die notwendigen Regeln in der erweiterten Konfiguration der Firewall zu aktivieren. Der Einrichtungsassistent übernimmt nur die notwendigen Einstellungen in Hyper-V, ändert aber keinerlei Sicherheitseinstellungen auf dem Server oder aktiviert Firewall-Regeln. Die Firewall-Regel hat die Bezeichnung "Hyper-V-Replica HTTP-Listener". Es gibt auch einen Listener für HTTPS, wenn Sie die Daten verschlüsselt übertragen wollen. Das ist in jedem Fall sinnvoll, vor allem in Produktivumgebungen. Bei den Regeln handelt es sich um eingehende Netzwerkregeln, für den ausgehenden Datenverkehr müssen Sie keine Änderungen vornehmen, da die Windows-Firewall diesen Verkehr ohnehin nicht blockiert.

Bei der Kerberos-Authentifizierung und der Verwendung von HTTP werden die replizierten Daten während der Übertragung nicht verschlüsselt. Nur bei der zertifikatbasierten Authentifizierung mit HTTPS verschlüsselt Hyper-V die Daten während der Übertragung. Den Namen der Firewall-Regel für HTTP sehen Sie in der Firewall-Verwaltung. Die Verwendung des Befehls ist analog zur http-Regel. Arbeiten Sie mit Hyper-V-Replica über HTTP, aktivieren die Firewall-Regel in der PowerShell mit
Enable-Netfirewallrule -displayname "Hyper-V Replica HTTP Listener (TCP-In)"
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5.10.2015/Thomas Joos/jp/ln

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