Fachartikel

Seite 2 - Hardware für Virtualisierungsprojekte planen (1)

Haben Sie mehr als eine Handvoll Systeme im Einsatz, lässt sich dieser Vorgang auch über eine zentrale Verwaltungsoberfläche steuern. Haben Sie erst einmal alle Server hinzugefügt, erhalten Sie so eine vollständige Übersicht über Ihre Systeme. Erscheint ein neues BIOS-Update, können Sie dies entweder manuell oder automatisiert auf Ihre Server verteilen, sodass die Systeme aktualisiert und auf Wunsch auch direkt neugestartet werden. Ist dies im Tagesgeschäft nicht möglich, lässt sich dieser Vorgang auch in die Nacht oder auf das Wochenende legen.

Möchten Sie sicherstellen, dass all Ihre Hypervisoren mit einem identischen Stand betrieben werden (beispielsweise um den Anforderungen des Supports gerecht zu werden), können Sie hier eine Baseline definieren und die Server solch einer Baseline zuweisen. Alle Systeme, die Teil dieser Baseline sind, bleiben so auf dem Stand, den Sie einmal eingestellt haben. Möchte der Support auf der anderen Seite, dass Sie für alle Server ein Update auf eine neuere Version durchführen, können Sie dies ebenfalls in der Baseline definieren und die Systeme werden alle auf diesen neuen Stand gebracht.

Natürlich können Sie dies vorab mit ein oder zwei Geräten testen und validieren, sodass zum Beispiel das neue BIOS-Update wirklich sauber läuft und keine Probleme erzeugt. Hier zeigt sich übrigens auch ein großer Vorteil von vollständig identischen Systemen: Betreiben Sie für Ihren Hypervisor ausschließlich ein Hardwaremodell mit identischer Ausstattung, müssen Sie nur einmalig testen, ob es bei einem Update Probleme gibt. Fahren Sie mit unterschiedlichen Modellen oder sogar unterschiedlichen Herstellern, gestaltet sich der Test deutlich umfangreicher. Wir beobachten in der Praxis leider viel zu oft, dass der große Testaufwand und die nicht vorhandene Zeit im Tagesgeschäft dazu führen, dass diese Tests einfach weggelassen werden. "Da passiert schon nix, die letzten Male hat das auch geklappt" trifft leider seltener zu als gedacht. Denn beispielsweise kann ein Update entweder Einstellungen aktiv ändern oder nachträglich zu anderen Problemen oder Ausfällen führen.
Intel vs AMD
Bei der Wahl der CPU haben Sie eigentlich nur zwei Hersteller zur Auswahl: Intel oder AMD. Intel ist hier der absolute Platzhirsch. Unseren Erfahrungen nach haben über 95 Prozent der Unternehmen Server im Einsatz, die mit einer Intel-CPU betrieben werden. Allerdings hat AMD – insbesondere in den letzten zwei bis drei Jahren – enorm an Leistung und Funktionalität zugelegt. Die AMD-CPUs, die Sie zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels bekommen, sind im direkten Vergleich deutlich günstiger als ein ähnliches Modell von Intel.

Mitte 2019 hat AMD neue CPU-Modelle vorgestellt, die PCI Express 4.0 unterstützen, was zu einer Verdopplung der Datenraten gegenüber 3.0 führt. Zieht Intel hier nicht schnell genug nach, wäre die Nutzung von AMD-CPUs und somit PCIe 4.0 in diversen Szenarien deutlich sinnvoller als Intel mit PCIe 3.0. Schauen Sie sich einmal unvoreingenommen die Leistungsdaten und die Preise an, vielleicht muss es nicht zwangsläufig ein Modell von Intel sein, nur aus dem Grund "weil das immer so war". Neben dem Preis und den Funktionen der CPU müssen Sie im Vorfeld auf jeden Fall klären, ob die von Ihnen genutzte oder bevorzugte Virtualisierungslösung diese CPU überhaupt unterstützt.

Speed, Speed und nochmal Speed
Planen Sie den Betrieb virtueller Maschinen auf lokalem Storage, sollten Sie unbedingt in Richtung Flash schauen. Die Nutzung von drehenden Festplatten ist zwar derzeit immer noch problemlos möglich, allerdings überwiegen die Mehrwerte von Flash-Speicher: Neben einer signifikant höheren Lese- und Schreibleistung spielt vor allem die I/O-Leistung beim Betrieb von virtuellen Maschinen eine große Rolle. Eine 10K-SAS Festplatte bringt etwa 150 I/Os pro Sekunde (IOPS), aktuelle NVMe-Datenträger liefern hier bis zu 550.000 Write IOPS. Eine aktuelle NVMe-Platte kann somit knapp 3666 Mal mehr IOPS schreiben als eine herkömmliche Festplatte. Bei einem aktuellen Straßenpreis von 1,40 Euro pro GByte kann es sich hier für Ihr Projekt mehr als auszahlen, wenn Sie an dieser Stelle ansetzen und sich zweimal überlegen, ob Sie wirklich auf "Legacy Storage" setzen.


Bild 1: Premium-Flash-Module wie das P4800X der Firma Intel sorgen für hohe IOPS-Werte in Virtualisierungssystemen.

In unserer Praxis gab es in den letzten Jahren keine Planung mehr für ein Storage-System, das nicht mindestens zum Teil mit Flash-Speicher betrieben wird. Die zuvor aufgeführten IOPS-Werte und der Preis beziehen sich auf das aktuelle Premium-Modell P4800X der Firma Intel. Es lässt sich aber durchaus Enterprise-grade SSD- oder NVMe-Speicher zu Preisen von unter 0,60 Euro pro GByte beziehen. Wobei wir grundsätzlich von Enterprise- und Datacenter-Modellen reden, nicht von Consumer-Modellen. Die Consumer-Produkte sind nicht für die großen Schreiblasten ausgelegt und sollten, außer für Endgeräte wie PCs und Notebooks, nicht in Betracht gezogen werden.

Seite 1: Auf Support und identische Systeme achten
Seite 2: Speed, Speed und nochmals Speed


Im zweiten Teil des Workshops beschäftigen wir uns mit RAID-Controllern, der passenden Netzwerkgeschwindigkeit und vor allem der richtigen Auswahl der Server. Im dritten Teil und letzten Teil zeigen wir auf, warum hyperkonvergente Systeme auch für KMU die richtige Wahl bei der Virtualisierung sein können.

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1.03.2021/jp/ln/Jan Kappen

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