Fachartikel

Red Hat Virtualization: Best Practices (3)

Mit "Red Hat Virtualization" bietet Red Hat eine konkurrenzfähige und kostengünstige Alternative zu VMwares vSphere-Plattform an. Spätestens seit der Version 4 stellt die quelloffene Lösung eine zuverlässige Enterprise-Virtualization-Plattform dar, die den Vergleich mit der Konkurrenz nicht scheuen braucht. In diesem Workshop stellen wir die Plattform vor. Im dritten und letzten Teil erklären wir, was beim laufenden Betrieb vo RHV wichtig ist und stellen eine hyperkonvergente Variante für kleine Umgebungen vor.
RHV bietet sich für Ressourcen, Prozesse und Anwendungen als stabile Virtualisierungsbasis an.
RHV benutzen
Für VMware-Umsteiger mag die RHV-Web-UI am Anfang ungewohnt wirken, jedoch dürften sie sich schnell an das Interface gewöhnen. Manche Dialoge erscheinen zunächst seltsam aufgebaut, doch bei längerer Benutzung gewöhnen Sie sich an die Logik. Zu den Highlights zählt die VM-Übersicht. Die Kopfzeile der VM-Liste wartet mit einer schlichten, aber praktischen Suchleiste auf. So können Sie simple Filter formulieren wie etwa "VMs: Storage = NetApp1", der dann nur noch Maschinen auflistet, die mindestens eine virtuelle Platte auf der Storage Domain "NetApp1" haben. Die Filter lassen sich als Bookmark abspeichern und über einen simplen Klick auf das Bookmark-Zeichen abrufen. So bauen Sie sich einfach eigene Ansichten und rufen diese zügig ab.

Der Befehl "New Virtual Machine" erstellt neue VMs. Dazu wählen Sie das Betriebssystem, einen "Instance Type" der CPU und RAM aus, verbinden die VM mit einem zuvor definierten Netzwerk und weisen ihr eine Festplatte zu. Umsteiger suchen im "New"-Dialog vielleicht vergeblich nach der Option, ein CD/DVD-Image für die Betriebssysteminstallation an die Maschine zu binden – denn hier nutzt RHV eine andere Logik als VMware oder Hyper-V. Sollen VMs nicht aus bestehenden Templates heraus geklont werden, bietet RHV die sogenannte "Run Once"-Option an. Dabei modifiziert RHV nur für einen einmaligen Maschinenstart ein paar Parameter der VM. Im Run-Once-Dialog finden sich dann auch die Optionen für anzubindende DVD-Images oder virtuelle Floppy-Laufwerke. Wer Windows-Maschinen installieren möchte, wird um die Floppy-Option nicht herumkommen. VMs sollten ausschließlich mit paravirtualisierter Hardware arbeiten (VirtIO-SCSI und VirtIO-Network). Zwar beherrscht RHV auch Standard-Hardware-Emulationen wie E1000-NICs oder eine IDE-Disk-Emulation. Diese kosten jedoch Performance.


Bild 4: Eine Windows-VM findet zunächst keine Festplatte. Erst der via Floppy-Image bereitgestellte
Red-Hat-VirtIO-Treiber lädt den benötigten Massenspeicher-Treiber.

Richtet der Nutzer eine Windows-Maschine ein, versieht er sie im Run-Once-Dialog mit dem ISO-Image der Installations-DVD – das er zuvor auf einen der RHV-Storage-Pools mit dem Disk-Upload-Tool geladen hat. Dann koppelt er zudem ein virtuelles Floppy-Drive mit dem Image "virtio-win-((version)).vfd" an. Das enthält die jeweils aktuellen, signierten Windows-Treiber für die RHV-paravirtualisierte Hardware. In der Praxis wird der Windows-Administrator diese Treiber-Floppy gleich mit den passenden Konfigurationsdateien für eine unattended Installation versehen. Selbstverständlich erlaubt "Run Once" auch einen Netzwerk-Start der VM via PXE, sodass sich die üblich verdächtigen Netzwerkinstallations-Tools nutzen lassen.

Linux-VMs brauchen in der Regel keine separate Treiber-Disk, da moderne Distributionen aktuelle RHV-Treiber mitliefern. Die Maschineneinstellungen legen auch die individuellen Einstellungen für die Failover-Priorität fest. So entscheidet RHV-M, welche Maschinen nach einem Hypervisor-Ausfall zuerst neu starten und welche optionalen Systeme gleich offline bleiben. Zudem gibt es individuelle Affinity- und Anti-Affinity-Rules, die darüber entscheiden, ob VMs zusammen mit ausgewählten anderen auf demselben Hypervisor laufen sollen oder eben nicht.


Bild 5: Für den ersten Systemstart bindet die "Run Once"-Option virtuelle DVDs oder Floppys an die virtuelle Maschine.

Für den Zugriff auf die UI der virtuellen Maschinen bietet RHV mehrere Wege. Die beste Grafikausgabe und Performance liefert das Spice-Protokoll. Um das zu nutzen, benötigt der Client-PC jedoch den Spice-Client, den es für Windows unter [2] zum freien Download gibt. Linux-Nutzer finden den "virt-viewer" in den Paketquellen der gängigen Distributionen. Wer nur Linux-VMs betreibt, kann alternativ auch VNC als Protokoll verwenden, was aber keine Vorteile bringt. Alternativ fungiert der RHVM-Knoten als Spice-Proxy. Der Manager kommuniziert dann selbst via Spice mit den VMs und stellt deren GUI-Ausgabe als HTML5 im Browser bereit. Diese Variante arbeitet langsamer als natives Spice, benötigt aber keinen besonderen Client.

Seite 2: Hyperconverged-Variante



Seite 1 von 2 Nächste Seite >>
21.06.2021/dr/ln/Max Lessel

Nachrichten

Chancen und Risiken für die Europa-Cloud [27.07.2021]

Wie der Cloud-Monitor 2021 von Bitkom und KPMG zeigt, hat sich – nicht zuletzt durch die Corona-Krise – die Cloud in Deutschland durchgesetzt. Von den 550 befragten Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden setzen 82 Prozent bereits auf Cloud-Infrastrukturen. Der Großteil dieser Unternehmen ist in ihrer Cloud-Strategie allerdings abhängig von amerikanischen sowie chinesischen Cloud-Anbietern. Kann sich das europäische Gaia-X-Projekt durchsetzen? [mehr]

Datensicherung in der Multicloud [20.07.2021]

Zahlreiche Unternehmen arbeiten an der Migration von Workloads in die Cloud. Da verschiedene Cloudanbieter unterschiedliche Stärken bieten, führt dies oft dazu, dass Firmen mehrere Anbieter einsetzen. Um sich für den Erfolg zu rüsten, sollten Unternehmen überlegen, wie Cloudservices in ihre gesamte IT-Landschaft passen. Ein Aspekt, der hierbei eine zunehmende Rolle spielt, ist die Umsetzbarkeit einer modernen Datensicherung. [mehr]

Tipps & Tools

Smartphone auf Tauchstation [18.07.2021]

Egal ob in Balkonien oder doch weiter weg: Im Sommer sind Smartphones in der Regel mehr Gefahren wie Hitze, Sand und (Salz-)Wasser ausgesetzt als in anderen Jahreszeiten. Wer hier wirkungsvoll vorbeugen will, sollte sich eine Hülle wie beispielsweise den Handybeutel von Vooni anschaffen. Das Gadget lässt sich für die meisten Smartphone-Modelle verwenden und wasserdicht verschließen. [mehr]

GMail-Nachrichten zurückholen [16.07.2021]

Viele Exchange- oder auch WhatsApp-Nutzer freuen sich über die Rückholfunktion für versehentlich gesendete und noch ungelesene Nachrichten – unter Umständen lässt sich damit einer prekären Situation glimpflich aus dem Weg gehen. Auch GMail verfügt über ein solches Feature, das allerdings in der Grundeinstellung eine allzu schnelle Reaktion erfordert. In den Settings verschaffen Sie sich etwas mehr Zeit. [mehr]

Ablage für Webinhalte [11.07.2021]

Buchbesprechung

Windows 10 Power-Tipps

von Günter Born

Anzeigen