Fachartikel

Virtualisierungsmanager Proxmox VE (1)

Virtualisierung, das verbinden viele Nutzer heute automatisch mit der Cloud. Dass es auch eine Nummer kleiner geht, zeigt Proxmox: Das Programm ist ein zuverlässiges Helferlein für mittelgroße Setups. Dieser Artikel verrät, wodurch sich Proxmox auszeichnet und welche Regeln ein Admin beim Ausrollen tunlichst beachten sollte. Im ersten Teil werfen wir einen Blick auf die Architektur von Proxmox und stellen den Umgang mit virtuellen Maschinen dar.
Proxmox VE bringt Cloud und Virtualisierung ohne großen Aufwand zusammen.
Wer sich in den vergangenen Jahren mit dem Thema Virtualisierung beschäftigt hat, konnte mehrere Dinge beobachten. Immer häufiger etwa findet das Wort Anwendung im Kontext von Cloud-Setups wie AWS oder Microsoft Azure. Und oft kommt Virtualisierung als Thema auch auf den Tisch, wenn es um den Aufbau von privaten Clouds geht, etwa auf Basis von OpenStack. Die Verbindung zwischen "Virtualisierung" und "Cloud" ist dabei stets das zentrale Motiv. Allerdings ist dieser Automatismus keineswegs so in Stein gemeißelt, wie es der Diskurs häufig glauben machen möchte. Denn oft sind Clouds ein viel zu großer Hammer für ein vergleichsweise kleines Problem.

Overkill mit OpenStack
Ein simples Beispiel erklärt das eindrücklich. Wer sich schon einmal mit OpenStack beschäftigt hat, weiß um die Komplexität der Lösung. Nicht weniger als fünf unterschiedliche, in Python verfasste Komponenten sind aufzusetzen, um auch nur eine gewisse Kernfunktionalität zu realisieren. Nach oben ist die Skala der OpenStack-Komponenten lang: Über 30 verschiedene Dienste stehen Admins zur Auswahl, die unterschiedliche Funktionen für OpenStack bieten. Klar: Wer eine multifunktionale Public Cloud bauen möchte, freut sich über den reichhaltigen Reigen verfügbarer Features. Im Handstreich sind die allerdings nicht zu haben. Wer OpenStack aufsetzen will, muss sich mit Software-defined Storage und Software-defined Networking auseinandersetzen. Er muss auch sein Rechenzentrum so konzipieren, dass es zu den Bedürfnissen der Software – in diesem Fall OpenStack – passt. Und er muss sich umfassendes Wissen aneignen, um die Plattform zu verstehen, sinnvoll auszurollen und effektiv und effizient zu betreiben.

Das ist eine große Menge Arbeit, die sich nur lohnt, wenn die Plattform riesig wird, also in die Breite skaliert – wofür Clouds ja per Definition gemacht sind. Overkill ist dieser Prozess hingegen, wenn das Ziel lediglich darin besteht, ein paar virtuelle Maschinen zu betreiben und dabei Grundfunktionen wie eine GUI zur Verwaltung, die effiziente Einbindung von Speicher oder Hochverfügbarkeit zu haben. Hier sind klassische Virtualisierungslösungen wie oVirt besser geeignet. Und wer es lieber herstellerunabhängig hat, schaut sich Proxmox VE [1] an: Die Version 5.3 schicken die Wiener Entwickler von Proxmox als eine erprobte, ausgereifte und stabile Lösung für kleine bis mittelgroße Virtualisierungssetups ins Rennen.
Stark veränderte Architektur
Die Architektur, der Proxmox folgt, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Heute wirkt das Produkt jedoch robust und wie aus einem Guss. Im Zentrum der Umgebung steht die Proxmox-API, über die Sie die Plattform steuern. Selbstverständlich beherrscht Proxmox die Koordination vieler APIs in der Plattform, Hochverfügbarkeit ist also kein Problem. Der Admin startet für ein solches Setup einfach mehrere Instanzen der Proxmox-API, die auf der Systemebene "pvedaemon" heißt. Und um es den Anwendern noch leichter zu machen, bündelt Proxmox seine API mit einem Proxy-Server: Der läuft auf jedem System zusammen mit der API und leitet eingehende Befehle an den jeweiligen Zielhost weiter. Der Mühe Lohn: Ein Admin muss nicht darauf achten, auf welchem Host er einen Proxmox-Befehl absetzt – der Zielhost muss dem Kommando lediglich per Parameter übergeben werden. Die Kombination aus "pvedaemon" und dem Proxy sorgt im Anschluss daran, dass die Kommandos bei den richtigen Servern landen.

Als Virtualisierungslösung liegt das Hauptaugenmerk bei Proxmox freilich beim Thema Virtualisierung. Und an dieser Stelle gibt Proxmox sich keine Blöße. Seit der Version 5.0 bietet die Umgebung dem Admin die Wahl zwischen zwei Typen der Virtualisierung: Einerseits steht freilich Kernel-based Virtual Machine (KVM) auf dem Programm, das ja in den vergangenen Jahren zu einer Art Allzweckwaffe für Virtualisierung unter Linux geworden ist. Auf den Umgang damit versteht sich Proxmox bestens: Setzen Sie einen Host mit den für KVM benötigten Werkzeugen auf, können Sie diesen im Anschluss in den Proxmox-Verbund aufnehmen und unmittelbar virtuelle Maschinen darauf starten.

Der gesamte Setupvorgang erwies sich im Test als robust sowie gut funktionierend. Wer es etwas leichtfüßiger haben möchte, freut sich über die Unterstützung von Linux Containers (LXC), die mittlerweile ebenfalls fest in Proxmox integriert sind. Vom Prinzip her funktioniert das ebenso wie bei KVM, als "Hypervisor" kommt jedoch nicht Qemu auf Basis von KVM zum Einsatz, sondern eben eine Container-Management-Schicht. Hier ist Proxmox vielen Clouds sogar ein Stück weit voraus, weil es Container-Virtualisierung direkt auf dem Blech kann. Viele Cloudumgebungen starten die Container hingegen in eigens dafür angelegten virtuellen Maschinen, virtualisieren also quasi doppelt – womit sie mehr Overhead produzieren, als nötig wäre. Über die Möglichkeit, Container zu betreiben, freuen sich indes Nutzer wie Admins: Schließlich sind Container viel leichtfüßiger, als virtuelle Maschinen es je sein könnten. Mit derselben physischen Hardware lassen sich entsprechend mehr Container als virtuelle PCs auf KVM-Basis betreiben.



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5.07.2021/dr/ln/Martin Loschwitz

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