Active Directory: Neuerungen in Windows Server 2025
Mit Windows Server 2025 hat Microsoft den Nachfolger von Windows Server 2022 veröffentlicht. Anders als seine letzten beiden Vorfahren bringt das Server-Betriebssystem wieder signifikante Neuerungen für lokale Infrastrukturen und auch für das Active Directory. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten neuen Funktionen.
- Windows Server 2025 bringt wieder umfangreichere Neuerungen für lokale AD-Infrastrukturen.
- Neue Funktionsebenen und ein aktualisiertes AD-Schema erweitern die Möglichkeiten großer Umgebungen.
- Mit dMSA stärkt Microsoft die Absicherung von Dienstkonten gegen moderne Angriffe.
- Verbesserungen bei Kerberos, LDAP und Hotpatching erhöhen Sicherheit und Verfügbarkeit.
Die Evolution des Windows-Server-Betriebssystems folgt seit einigen Jahren einem gleichbleibenden Schema mit zwei Entwicklungszweigen: den Server-Wartungskanälen (Servicing Channels, SC). Dazu zählt zum einen der Langzeitwartungskanal (Long-Term Servicing Channel, LTSC). In letzterem erscheinen regelmäßig alle zwei bis drei Jahre die Hauptversionen des Betriebssystems, die Sie an den Jahreszahlen in der Produktbezeichnung erkennen – auf Windows Server 2016 folgte 2019 und daraufhin Windows Server 2022 und inzwischen Windows Server 2025. Von den R2-Zwischenschritten, wie bei den früheren Versionen Server 2008 und 2012, hatte Microsoft sich zwischenzeitlich verabschiedet.
Der LTSC genießt fünf Jahre Mainstream-Support, in dem die Redmonder neben Sicherheitsupdates auch neue Funktionen versprechen und danach noch fünf Jahre erweiterten Support. Darin erhält das System keine Weiterentwicklungen mehr, aber noch sicherheitsrelevante Updates.
Keine jährlichen Versionen für DCs
Neben LTSC pflegt Microsoft auch noch den jährlichen Kanal (Annual Channel, AC). Anfänglich hatte das Unternehmen es in diesem Entwicklungszweig als Semi Annual Channel (SAC) mit halbjährlich neuen Versionen versucht, ist dann jedoch analog zum Client-Betriebssystem Windows 10 wieder davon abgerückt. Der frühere SAC gibt aber noch das Namensschema vor, das sich aus zwei Ziffern für das Erscheinungsjahr, gefolgt vom jeweiligen Halbjahr, ergibt.
Im AC erhält das Betriebssystem typischerweise lediglich 24 Monate Unterstützung des Herstellers, davon 18 Monate Mainstream und zusätzliche sechs Monate erweiterten Support. Der AC zielt damit vor allem auf DevOps-Szenarien mit dem Schwerpunkt auf Containern und Microservices. Windows Server unterstützt im AC nur die Server-Core-Installation ohne grafische Benutzeroberfläche und legt den Fokus klar auf den Betrieb als Container-Host, nicht auf die klassischen Anwendungsfälle wie Datei- und Druckdienste oder Domaincontroller (DC). Im Hinblick auf den Schwerpunkt unseres Interesses, das Active Directory (AD), ist folglich nur der LTSC relevant, der mit seinen gegenüber dem AC üppigen Support-Zeiträumen die nötige Sicherheit für einen langfristigen Betrieb bietet.
Von vNext zum Windows Server 2025
Mit Windows Server 2025 hat Microsoft einen neuen LTSC-Nachfolger für Windows Server 2022 veröffentlicht. Längere Zeit hatte Microsoft die Entwicklung unter dem Arbeitstitel "Windows Server vNext" vorangetrieben, bevor das Unternehmen den offiziellen Namen Windows Server 2025 bestätigte.
Mit den letzten beiden Ausgaben 2019 und 2022 hatte Redmond Funktionen für rein lokale Dienste eher stiefmütterlich behandelt und den Fokus klar erkennbar auf die Anbindung an die hauseigene Azure-Cloud gelegt. Nachdem die Entwicklung neuer Funktionen für den lokalen Betrieb stagnierte, begannen einige Analysten und Marktbeobachter bereits mit dem Abgesang auf das klassische AD und bereiteten Befürchtungen den Boden, dass Microsoft seinen lokalen Verzeichnisdienst zugunsten von Entra ID in der Cloud komplett aufgeben könnte. Doch solche Gerüchte haben sich inzwischen als falsch erwiesen. Über die neuen Funktionen dürfen sich auch Admins freuen, die Dienste und Anwendungen weiterhin im lokalen Rechenzentrum betreiben möchten.
So war die Hotpatch-Funktion bislang der Azure-Edition von Windows Server 2022 Datacenter vorbehalten. Das Hotpatching aktualisiert den Code der gerade ausgeführten Prozesse im Arbeitsspeicher direkt zur Laufzeit, ohne dass der jeweilige Prozess oder das System als Ganzes nach einem Neustart verlangt. Microsoft verspricht damit weniger Unterbrechungen von Diensten dank weniger Reboots und somit positive Effekte für die Informationssicherheit, da Updates schneller ihren Weg in den produktiven Betrieb finden.
Weniger spezifisch hat das Unternehmen Verbesserungen auch für die Virtualisierung mittels Hyper-V, Unterstützung von Anwendungsfällen künstlicher Intelligenz (KI) sowie Optimierungen beim Daten-und Storage-Management angekündigt. Im Hinblick auf unseren Themenschwerpunkt interessiert uns aber vor allem, dass Microsoft auch signifikante Neuerungen unter der Überschrift "Next Generation Active Directory and SMB" eingeführt hat.
Updates für Schema und Funktionsebenen
Die Inbetriebnahme als DC für eine neue Gesamtstruktur unterscheidet sich kaum von früheren Versionen. Auch sämtliche Verwaltungstools können Sie weitgehend so verwenden wie gewohnt. Allerdings bringt das neue Betriebssystem neue Funktionsebenen mit. Beim Heraufstufen zum DC dürfen Sie für Gesamtstruktur und Domäne zwischen den Funktionsebenen "Windows Server 2016" und "Windows Server 2025" wählen.
Windows Server 2025 orientiert sich optisch an Windows 11 und bringt neue Funktionsebenen für Gesamtstruktur und Domänen mit. Dies ist auch ein Hinweis auf die Voraussetzungen für Upgrades vorhandener Umgebungen. Möchten Sie einer bereits existierenden AD-Infrastruktur neue DCs unter Windows Server 2025 hinzufügen, müssen alle vorhandenen DCs mindestens unter Windows Server 2016 mit ebendiesen Funktionsebenen laufen.
Die Inbetriebnahme eines DCs unter Windows Server 2025 hebt die Version des AD-Schemas automatisch auf 91, nachdem zuletzt die bereits mit Windows Server 2019 eingeführte Version 88 aktuell war. Die Funktionsebenen von Gesamtstruktur und Domänen können Sie erst auf Windows Server 2025 anheben, nachdem Sie sämtliche DCs auf dieses Betriebssystem umgestellt und alle älteren DCs in den Ruhestand verabschiedet haben.
Die neuen Funktionsebenen gilt es auch zu beachten, sofern Sie Systeme mithilfe von Antwortdateien für eine unbeaufsichtigte Installation zum DC heraufstufen möchten. Die Funktionsebenen für Windows Server 2016 entsprachen hierbei den Parametern "ForestLevel=7" und "DomainLevel=7" und dies auch für die Versionen 2019 und 2022 des Betriebssystems. Mit Windows Server 2025 überspringt Microsoft dabei zwei Nummern. Entsprechend lauten die neuen Parameter nun "ForestLevel=10" und "DomainLevel=10". Von weiteren zentralen Neuerungen profitieren vor allem sehr große AD-Infrastrukturen.
Datenbank aufbohren
Am Fundament der AD-Datenbank, der Microsoft Joint Engine Technology (Jet) in der Variante Jet Blue hatte Microsoft seit der Einführung unter Windows 2000 keine grundlegenden Änderungen vorgenommen. Die auch unter der Bezeichnung Extensible Storage Engine (ESE) bekannte Basis der Datenbank setzte seit jeher auf Datenbankseiten mit einer Größe von maximal 8 KByte. Entsprechend konnten die Datensätze einzelner Objekte im AD ebenfalls nur jeweils 8 KByte groß sein.
Windows Server 2025 hebt dieses Limit auf eine Größe von 32 KByte pro Datenbankseite. Einzelne Objekte dürfen damit deutlich größer werden als bislang, mehrwertige Attribute können jetzt bis zu 3200 Werte enthalten. Neu installierte DCs laufen unter Windows Server 2025 zunächst in einem "8K Simulation Mode", um die Kompatibilität zu älteren Systemen zu gewährleisten.
Sobald Sie alle DCs auf Windows Server 2025 betreiben und auch die Funktionsebenen auf diese Version angehoben haben, lässt sich das optionale Feature mit folgendem Befehl aktivieren:
Enable-ADOptionalFeature -Identity 'Database 32K Pages Feature' -Scope ForestOrConfigurationSet -Target <Name der Gesamtstruktur>
Den Namen Ihrer Gesamtstruktur geben Sie dabei wahlweise als Full-Qualified-Domain-Name (FQDN), NetBIOS-Name oder Distinguished Name (DN) des standardmäßigen Namenskontexts an. Die Umstellung auf das 32K-Seitenformat lässt sich nicht rückgängig machen.
Ebenfalls für sehr große Umgebungen mit typischerweise hoher Last auf den DCs relevant ist der Support für Non-Uniform Memory Access (NUMA). DCs können damit die Vorteile von NUMA-fähiger Hardware nutzen und Prozessorkerne in allen Prozessorgruppen verwenden, um Aufgaben zu parallelisieren. Darüber hinaus profitieren Umgebungen jeglicher Größenordnung von Verbesserungen im Hinblick auf die Informationssicherheit.
Dienstkonten absichern
Bereits frühere Versionen des Windows Servers hatten das Konzept des Group Managed Service Accounts (gMSA) eingeführt. Windows Server 2025 bringt mit den delegierten verwalteten Dienstkonten (Delegated Managed Service Account, dMSA) einen neuen Typ besonders abgesicherter Dienstkonten mit. Doch wie unterscheiden sich gMSA und dMSA?
Bereits mit den gMSA konnten Sie für bestimmte Anwendungsfälle, wie etwa die Ausführung von Diensten oder geplanten Tasks auf Servern, mithilfe von PowerShell Konten einsetzen, deren Passwörter Sie nicht mehr manuell setzen und verwalten mussten. Vielmehr kümmert sich das AD selbst darum, intern sichere Passwörter für die gMSA zu verwenden. Doch obwohl es sich um computergenerierte Passwörter handelt, die das AD noch dazu automatisch rotiert, könnten Angreifer diese Kennwörter theoretisch stehlen.
dMSA verwendet stattdessen verwaltete und zufällig generierte Schlüssel, die zudem mit Geräteidentitäten verknüpft sind. Somit können nur bestimmte im AD zugeordnete Computeridentitäten einen solchen dMSA nutzen. Unter der Haube setzen die dMSA auf aus den Anmeldeinformationen des jeweiligen Computerkontos abgeleitete geheime Schlüssel, die die DCs zum Verschlüsseln von Kerberos-Tickets speichern und verwenden.
Im Unterschied zu gMSA finden sich die geheimen Informationen also ausschließlich auf den DCs. Die Methode hilft somit, das auch als Kerberoasting bezeichnete Sammeln von Anmeldeinformationen mithilfe kompromittierter herkömmlicher Konten zu verhindern. Die Funktion Credential Guard (CG) als Element der virtualisierungsbasierten Sicherheit (VBS) kann die dMSA zusätzlich schützen.
Microsoft beschreibt ein Konzept für den Migrationsprozess und liefert PowerShell-Cmdlets, mit denen Sie herkömmliche Konten sowie auch gMSA auf dMSA umstellen können.
Mehr Sicherheit für Kerberos und LDAP
Weitere Änderungen zielen ebenfalls auf erhöhte Sicherheit. So optimiert Microsoft das Kerberos-Protokoll und fügt die Verschlüsselungsmethoden SHA-256 und SHA-384 hinzu, während der veraltete Algorithmus RC4 nicht mehr zu den empfohlenen Verschlüsselungsmethoden zählt. Auch an das PKINIT-Protokoll (Kerberos Public Key Cryptography for Initial Authentication in Kerberos) hat Redmond Hand angelegt und die Unterstützung von weiteren Algorithmen hinzugefügt sowie hartcodierte Algorithmen entfernt, um kryptografische Flexibilität zu ermöglichen.
Die gesamte Kommunikation von LDAP-Clients nach einer SASL-Bindung (Simple Authentication and Security Layer) verwendet nun standardmäßig LDAP-Sealing. LDAP unterstützt weiterhin die Verschlüsselung mittels Transport Layer Security (TLS) 1.3.
Fazit
Nach einer längeren Zeit des Stillstands im Hinblick auf Funktionen für lokale AD-Infrastrukturen markiert Windows Server 2025 einen größeren Entwicklungsschritt. Microsofts neues Server-Betriebssystem orientiert sich optisch an Windows 11 und bringt damit eine überarbeitete Benutzeroberfläche mit. Doch auch unter der Haube stecken einige interessante Neuerungen. Diese betreffen vor allem Updates des AD-Schemas, neue Funktionsebenen für Gesamtstruktur und Domänen sowie signifikante Verbesserungen bei der Sicherheit. Insgesamt vollzieht sich die Weiterentwicklung des ADs als sinnvolle Evolution, weniger als Revolution. Und dies bedeutet gleich mehrere gute Nachrichten für Admins. Sie können die gewohnten Tools und bereits vorhandenes Wissen nahtlos weiterverwenden. (dr/ln)
Über den Autor: Dr. Christian Knermann veröffentlichte bisher zahlreiche Artikel im Bereich der Informationstechnologie für verschiedene Fachmagazine – darunter seit 20 Jahren für den IT-Administrator. Außerdem wirkt er an Buchprojekten mit und trägt auf nationalen und internationalen Konferenzen vor.
FAQs
Windows Server 2025 erweitert Active Directory unter anderem um neue Funktionsebenen, ein aktualisiertes AD-Schema sowie Verbesserungen bei Sicherheit und Skalierbarkeit. Hinzu kommen neue Sicherheitsfunktionen wie delegierte verwaltete Dienstkonten (dMSA) sowie Anpassungen bei Kerberos und LDAP.
Für den Einsatz der neuen Funktionsebenen müssen alle Domaincontroller mindestens unter Windows Server 2016 betrieben werden. Die Funktionsebenen für Gesamtstruktur und Domänen lassen sich erst auf Windows Server 2025 anheben, wenn sämtliche älteren Domaincontroller ersetzt wurden.
Delegated Managed Service Accounts (dMSA) verknüpfen verwaltete Anmeldeschlüssel zusätzlich mit Geräteidentitäten. Dadurch sollen sich Angriffe wie Kerberoasting erschweren lassen. Im Unterschied zu klassischen gMSA verbleiben sensible Informationen ausschließlich auf den Domaincontrollern.
Microsoft erweitert Kerberos um modernere Verschlüsselungsverfahren wie SHA-256 und SHA-384 und drängt ältere Verfahren wie RC4 weiter zurück. Zudem verwendet LDAP nach SASL-Bindungen standardmäßig LDAP-Sealing und unterstützt weiterhin TLS 1.3 zur verschlüsselten Kommunikation.
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