Mehr Schutz für Web-Domains

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Mehr Schutz für Web-Domains

05.06.2024 - 07:38
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Web-Domains sind im Internet grundsätzlich für jedermann erreichbar – auch für Cyberkriminelle. Erfahren Sie deshalb im Fachartikel, wie Unternehmen ihre IT-Infrastruktur durch DNSSEC und CAA-Records sichern. Zudem erhalten Sie Einblicke in strikte Zugriffsverwaltungsprotokolle, umfassende Sicherheitsprozesse, regelmäßige Penetrationstests und das Einrichten proaktiver Überwachungssysteme zur Früherkennung unbefugter Registrierungen. All diese Maßnahmen bilden einen robusten Schutz gegen Cyberangriffe über die Web-Domain.

Mit der Zunahme von DDoS-Angriffen, Phishing-Kampagnen und fortschrittlichen Persistenz-Techniken rückt die Sicherheit von Domains verstärkt in den Fokus von IT-Verantwortlichen. Jede Domain kann durch die Ausnutzung von Schwächen in der DNS-Konfiguration oder durch unzureichend gesicherte Zertifikatsverwaltungsprozesse zur Achillesferse einer Unternehmensinfrastruktur werden – auch wenn sie als vertrauenswürdig gilt. Cyberkriminelle entwickeln kontinuierlich neue Methoden, um sich Zugang zu Netzwerken und Systemen zu verschaffen. Hier steht die IT vor der Herausforderung, ihre Abwehrstrategien stets zu aktualisieren und kontinuierlich anzupassen.

Übersicht der Sicherheitsbedrohungen
IT- und Security-Verantwortliche sind häufig die erste Verteidigungslinie gegen eine Reihe von Bedrohungen, die auf Domains abzielen – von DNS-Spoofing über Phishing bis hin zu DDoS-Angriffen. Da Unternehmen überwiegend auf ihre Onlinepräsenzen angewiesen sind, ist der Schutz dieser Domains entscheidend. Jede Schwachstelle im DNS-Setup oder in der SSL/TLS-Zertifikatsverwaltung kann gravierende Folgen haben, sowohl im Hinblick auf die Betriebskontinuität als auch auf die Datensicherheit.

DNS Spoofing, auch bekannt als DNS Cache Poisoning, ist eine Art von Cyberangriff, bei dem ein Angreifer gefälschte DNS-Informationen in den Cache eines DNS-Resolvers einschleust. Dadurch wird der DNS-Resolver dazu gebracht, falsche IP-Adressen zurückzugeben, wenn Benutzer versuchen, legitime Websites zu erreichen. Dies führt dazu, dass Benutzer auf bösartige Websites umgeleitet werden, ohne es zu bemerken. Dies erfordert eine sorgfältige Implementierung von DNSSEC, um die Authentizität und Integrität der DNS-Antworten sicherzustellen.

Ein weiteres ernstzunehmendes Risiko sind Subdomain Takeovers, die auftreten, wenn Subdomains nicht ordnungsgemäß gesichert oder überwacht werden. Ebenso stellen DDoS-Angriffe eine andauernde Bedrohung dar, die darauf abzielt, Dienste unzugänglich zu machen, und erfordern eine robuste Verteidigungsstrategie, einschließlich Netzwerk-Redundanzen und spezieller Minderungstechniken. Die Sicherheit von Domains wird zudem auch durch Typosquatting gefährdet, eine Methode, bei der Angreifer Domains registrieren, die sich nur durch kleine Tippfehler von der Originaldomain unterscheiden. Um die Ausnutzung von Schwachstellen bezüglich Domains zu verhindern, ist es entscheidend, alle zugehörigen Sicherheitsprotokolle strikt einzuhalten.

Fortschrittliche DNS-Sicherheit: DNSSEC
DNSSEC, kurz für Domain Name System Security Extensions, verbessert maßgeblich die Sicherheit des DNS, indem es eine Schutzschicht gegen Angriffe durch DNS-Spoofing hinzufügt. Anders als das traditionelle DNS, das keine Authentifizierungsmechanismen für die Herkunft von DNS-Antworten bietet, verwendet DNSSEC kryptografische Signaturen zur Gewährleistung der Authentizität und Integrität der Daten.

Administratoren können so sicherstellen, dass die DNS-Antworten, die ihre Endbenutzer erhalten, tatsächlich von autorisierten Servern stammen und während der Übertragung nicht manipuliert wurden. Diese Technologie verringert direkt das Risiko, dass Angreifer falsche DNS-Informationen einspeisen, um den Netzwerkverkehr umzuleiten, und bietet eine verlässliche Grundlage für weitere Sicherheitsprotokolle und -dienste im Netzwerk.

Um DNSSEC zu implementieren, sollten größere Organisationen, die ihre eigenen DNS-Server betreiben, ihre DNS-Software auf eine DNSSEC-fähige Version aktualisieren. Im nächsten Schritt werden die notwendigen öffentlichen und privaten Schlüssel generiert und der öffentliche Schlüssel in einem DNSKEY-Resource Record bei dem DNS-Host eingetragen. Nun erfolgt die Konfiguration der DNS-Zone zur Erstellung von Signaturen mit dem privaten Schlüssel und veröffentlicht die signierten Zonendateien auf dem eigenen DNS-Server.

Abschließend wird ein DS (Delegation Signer) Record registriert, der den Hash des eigenen öffentlichen Schlüssels enthält. Das erfolgt bei dem aktuellen Domain-Namen-Registrar, um die übergeordneten DNS-Server zu befähigen, die Authentizität der eigenen DNS-Antworten zu überprüfen. Hier werden die eigene Signatur gegen den verifizierten öffentlichen Schlüssel abgeglichen, was die Sicherheit und Zuverlässigkeit der eigenen Internet-Präsenz erhöht. Für viele Endnutzer und kleine Unternehmen wird DNSSEC hingegen in der Regel direkt vom Domainanbieter oder Webhost implementiert.

Mehr Kontrolle mit CAA Records
Certificate Authority Authorization (CAA) Records sind spezielle DNS-Einträge, die es Domaininhabern ermöglichen, zu kontrollieren, welche Zertifizierungsstellen (CAs) Zertifikate für ihre Domains ausstellen dürfen. Durch Eintragung eines CAA-Records in die DNS-Konfiguration einer Domain kann der Domaininhaber spezifizieren, welche CA berechtigt ist, Zertifikate zu erzeugen. Dies dient der Verhinderung, dass nicht autorisierte CAs Zertifikate für die Domain ausstellen, was eine wichtige Sicherheitsmaßnahme gegen bestimmte Arten von Angriffen wie zum Beispiel Man-in-the-Middle (MITM) darstellt.

Die Kombination von DNSSEC und CAA-Records bietet eine robustere Sicherheitsarchitektur: DNSSEC sichert die Authentizität und Integrität von DNS-Antworten, während CAA-Records die Ausstellung von Zertifikaten streng reglementieren. Diese Synergie trägt dazu bei, dass sowohl die DNS-Abfragen als auch die Zertifikatsausstellung gegenüber Manipulationen abgesichert sind.

Administratoren, die sowohl DNSSEC als auch CAA-Records implementieren, verstärken die Sicherheit ihrer Domains gegen eine breitere Palette von Bedrohungen und verringern die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Webseiten Opfer von Phishing oder anderen SSL/TLS-basierten Angriffen werden. Best Practices für die Implementierung beinhalten das regelmäßige Überprüfen und Aktualisieren der CAA-Einträge, um sicherzustellen, dass nur vertrauenswürdige CAs autorisiert sind, und das Einrichten von Benachrichtigungen für den Fall, dass eine CA eine Zertifikatsanfrage ablehnt, die gegen die CAA-Policy verstößt. Dies ermöglicht es IT-Experten, schnell auf potenzielle Sicherheitsprobleme zu reagieren.

Zugriffsverwaltungsprotokolle und Sicherheitsprozesse
Die Implementierung effektiver Zugriffskontrollen, Verwaltungsprotokolle und defensiver Strategien sind ein weiterer wichtiger Schritt, um die IT-Infrastruktur in Sachen Domain abzusichern. Eine defensive Domain-Strategie und die Durchführung einer Domain-Inventur sind zentrale Säulen in der Sicherheitsarchitektur jeder IT-Infrastruktur, insbesondere zur Absicherung gegen Bedrohungen, die speziell auf Domain-Namen abzielen.

Diese Strategien sind für IT-Verantwortlichen von entscheidender Bedeutung, um die Kontrolle über die Domain-Verwaltung zu verstärken und potenzielle Sicherheitsrisiken zu minimieren. Bei der defensiven Domain-Strategie geht es primär darum, proaktive Maßnahmen zu ergreifen, wie die Registrierung von Domain-Varianten, die häufigen Tippfehlern entsprechen, sowie die Sicherung von Domain-Namen, die leicht mit der Hauptdomain verwechselt werden könnten.

Diese Maßnahmen sind essenziell, um zu verhindern, dass Benutzer unwissentlich auf bösartige Websites umgeleitet werden, die sich als legitime Seiten ausgeben. Parallel dazu gewährleistet eine gründliche Domain-Inventur, dass alle genutzten und registrierten Domains fortlaufend auf ihre Sicherheitseinstellungen überprüft werden. Dies beinhaltet die Überprüfung der korrekten Konfiguration und Implementierung von wichtigen Sicherheitsmaßnahmen wie DNSSEC und CAA-Records. Eine regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung der Domain-Listen hilft dabei, verwaiste oder unnötige Domains zu identifizieren und zu deaktivieren, was das Risiko von Sicherheitslücken signifikant reduziert.

Die Einbindung dieser Domain-spezifischen Sicherheitsstrategien in die alltäglichen Verwaltungsprotokolle und Sicherheitsrichtlinien der IT erfordert eine präzise Planung und technische Umsetzung. CIOs, CISOs und IT-Administratoren sollten sich auf den Einsatz von Zugriffskontrollsystemen stützen, die das Prinzip der geringsten Rechte verfolgen, und rollenbasierte Zugriffskontrollen einführen, um Berechtigungen effizient zu verwalten. Die fortlaufende Überwachung und Protokollierung von Netzwerkaktivitäten sowie der Einsatz von Intrusion Detection und Prevention Systemen sind weitere entscheidende Komponenten, um frühzeitig Anomalien und unautorisierte Zugriffe zu erkennen.

Proaktive Maßnahmen und Penetrationstests
Penetrationstests spielen eine zentrale Rolle, indem sie eine methodische Vorgehensweise bieten, um die Sicherheit von Systemen zu bewerten und zu verstärken. Bei einem Penetrationstest simulieren IT-Sicherheitsexperten Angriffe auf Systeme, Anwendungen und Netzwerke, um Schwachstellen zu identifizieren, bevor sie von echten Angreifern ausgenutzt werden können.

Bei Penetrationstests im Kontext von Domains sollten sich Sicherheitsexperten speziell auf die Überprüfung von Webanwendungen, Serverkonfigurationen und DNS-Einstellungen, die mit den Domains verbunden sind, fokussieren. Es sollten gezielte Angriffe auf diese Bereiche simuliert werden, um Schwachstellen wie unsichere Subdomain-Konfigurationen, fehlerhafte SSL/TLS-Zertifikate oder DNS-Sicherheitslücken zu identifizieren und Empfehlungen zur Absicherung gegen Cyberangriffe zu geben.

Neben den Penetrationstests ist die Einrichtung proaktiver Überwachungssysteme unerlässlich. Insbesondere das Domain-Monitoring spielt hierbei eine kritische Rolle – automatisiertes Domain-Monitoring, oft als Managed Service angeboten, überwacht kontinuierlich Domain-Registrierungen, die DNS-Konfiguration und Zertifikatsänderungen, um verdächtige Aktivitäten oder Konfigurationsänderungen, die auf einen möglichen Sicherheitsvorfall hinweisen könnten, frühzeitig zu erkennen. Diese Tools lösen automatisch Alarme aus, wenn sie ungewöhnliche Muster erkennen, wie zum Beispiel die Registrierung von Domain-Namen, die den Unternehmensnamen in irreführender Weise nutzen, oder unerwartete Änderungen an DNS-Einträgen.

Fazit
Für IT- und Security-Verantwortliche ist es unerlässlich, eine proaktive Rolle in der Sicherung ihrer Web-Domains zu übernehmen. Ein umfassender Ansatz beinhaltet regelmäßige Penetrationstests, die Implementierung von DNSSEC zur Authentifizierung von DNS-Antworten und die Nutzung von CAA-Records, um die Zertifikatsausstellung zu kontrollieren. Zudem ist das proaktive Monitoring von Domain-Registrierungen und DNS-Einstellungen entscheidend, um frühzeitig auf Sicherheitsbedrohungen reagieren zu können.

Ergänzt wird dies durch eine defensive Domain-Strategie und eine regelmäßige Domain-Inventur, um potenzielle Schwachstellen aktiv zu managen. Die kontinuierliche Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter verstärkt zudem die organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen. Durch die Befolgung dieser Best Practices können IT-Verantwortliche nicht nur die Sicherheit ihrer Domains verbessern, sondern auch eine robuste Verteidigung gegen zukünftige Cyberbedrohungen aufbauen.

ln/Maximilian Burianek, CEO der united-domains AG

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