Fachartikel

Sichern und Wiederherstellen von Exchange Server 2016 per PowerShell (3)

Während der Volksmund der Porzellankiste ein enges verwandtschaftliches Verhältnis zur Vorsicht unterstellt, setzt Microsoft unter Exchange bei Nutzung der Database Availability Groups auf backupfreie Umgebungen. Sollte diesem gesunden Selbstvertrauen zum Trotz dennoch einmal ein Recovery älterer Daten anstehen, zeigt dieser Artikel verschiedene Aspekte der Wiederherstellung von Exchange-Daten mit der PowerShell. Im dritten Teil des Workshops sehen wir uns die Portierung von Datenbanken an.
Hat der Elefant im Porzellanladen oder auf dem E-Mail-Server gewütet, sollte ein Backup tunlichst zur Hand sein.
Datenbanken portieren
Mit der Datenbankportabilität lassen sich Datenbanken auf andere Postfachserver der Organisation verschieben und dort einbinden. Wichtig ist dabei der Name der Exchange-Organisation. Haben Sie eine Testumgebung mit dem gleichen Namen erstellt, können Sie Datenbanken in dieser Umgebung mounten und zum Beispiel Wiederherstellungsaktionen durchführen. Es muss dabei dieselben Exchange-Version zum Einsatz kommen. Dies gilt auch für kumulative Updates und Service Packs.

Erstellen Sie zunächst über New-MailboxDatabase eine leere Datenbank auf dem Zielserver mit der identischen Bezeichnung. Aktivieren Sie die Überschreibbarkeit der Datenbank über Set-MailboxDatabase DB01 -AllowFileRestore $true. Heben Sie gegebenenfalls die Bereitstellung auf und kopieren Sie die Datenbankdateien (EDB-Datei, Protokolldateien und Exchange-Suchkatalog) an den Ort der neuen Datenbank. Im Anschluss mounten Sie die Datenbank über Mount-Database DB01. Damit die Benutzer den Weg zum Server finden, ändern Sie die Benutzerattribute mit
Get-Mailbox -Database DB01 |where {$_.ObjectClass 
 -NotMatch '(SystemAttendantMailbox|ExOleDbSystemMailbox)'}|
 Set-Mailbox -Database DB01
Die User sollten nun wieder in der Lage sein, auf ihr Postfach zuzugreifen.

Dial-Tone-Portabilität
Die Funktion der Portabilität können Sie sich bei größeren Wiederherstellungsszenarien zu Nutzen machen, um die Wiederherstellungszeiten zu reduzieren. Bei der sogenannten Dial-Tone-Portabilität erstellen Sie zunächst eine temporäre, leere Datenbank. Sie ermöglicht Mitarbeitern das Senden und Empfangen. In der Zwischenzeit stellen Sie die originale Datenbank in eine RDB wieder her oder reparieren sie. Danach tauschen Sie die Datenbankdatei aus und führen einen Abgleich der Datenbanken durch.

Erstellen Sie also im ersten Schritt eine leere Datenbank und weisen Sie diese den Benutzern zu:
New-MailboxDatabase DTDB1

Get-Mailbox -Database DB1 | Set-Mailbox -Database DTDB1
Alternativ verschieben Sie alle Datenbankdateien der Problemdatenbank an einen sicheren Ort. Während der Bereitstellung erstellt Exchange automatisch eine leere Datenbank, die den Benutzern direkt zu Verfügung steht. Anwender, die mit dem Cache-Mode arbeiten, erhalten einen Hinweis und können Offline mit ihren alten E-Mail-Daten arbeiten (Bild 6). Das Senden oder Empfangen ist hierüber nicht möglich.


Bild 6: Dank der Dial-Tone-Wiederherstellung können Nutzer offline auf alte Postfachdatenbanken zugreifen.
Das Senden und Empfangen ist aber nur über die temporäre und leere Datenbank möglich.

Erzeugen Sie nun eine Wiederherstellungsdatenbank über den Befehl NewMailboxDatabase -Recovery und führen Sie hier die Wiederherstellungsaktionen durch. Im Anschluss erhalten Sie eine leere temporäre Datenbank, die sich nach und nach mit Daten füllt sowie eine Wiederherstellungsdatenbank mit den Bestandsdaten.

Ein Exportieren aus der Wiederherstellungsdatenbank wäre aufgrund der Größe sehr zeitaufwändig. Einfacher ist es, die Datenbanken untereinander zu tauschen und nur die geänderten Daten zu exportieren und im Postfach zusammenzuführen. Aus diesem Grund dismounten Sie als nächstes die Dial-Tone- und die Wiederherstellungsdatenbank:
Dismount-Database DTDB1

Dismount-Database RDB01
Verschieben Sie die Datenbanken aus dem Ordner der Dial-Tone-Datenbank in den Ordner der Wiederherstellungsdatenbank und andersherum. Danach können Sie die Datenbanken wieder einbinden. Benutzer können nun wieder auf die ursprünglichen Postfachdaten zurückgreifen.

Zum Abschluss werden die neuen Elemente aus der temporären Datenbank in die wiedergeherstellte Datenbank überführt. Diese Daten beziehen sich nur auf die Zeit der Wiederherstellung und sollten von geringem Umfang sein. Hierfür verwenden Sie den Befehl NewMailboxRestoreRequest, den wir bereits beschrieben haben:
Get-Mailbox -Database RDB01 | NewMailboxRestoreRequest 
 -TargetMailbox DTDB1
Als letzte Aktion heben Sie die Bereitstellung auf und löschen die Wiederherstellungsdatenbank:
Dismount-Database RDB01

Remove-MailboxDatabase RDB01
Fazit
Exchange Server 2016 bringt alles mit, um Daten einfach zu sichern und bietet viel Flexibilität bei der Wiederherstellung. Microsoft weist zwar oft darauf hin, dass bei der Verwendung von mindestens drei Datenbankkopien auf eine Sicherung verzichtet werden kann. Ob dieser Weg aber möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab. So dürften Exchange-Administratoren nur dann beruhigt sein, wenn Wiederherstellungsszenarien getestet in der Schublade liegen und nicht erst im Fehlerfall unter Zeit- und Erfolgsdruck über die nächsten Schritte nachgedacht werden muss.

Im ersten Teil des Workshops gingen wir auf die Verwendung von Windows Server Backup ein und erklärten, wie Sie Datenbanken wiederherstellen. Im zweiten Teil des Workshops beschäftigten wir uns sowohl mit dem Wiederherstellen einzelner E-Mails als auch mit dem Recovery eines kompletten Servers.
20.07.2020/dr/ln/Christian Schulenburg

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