Fachartikel

Einrichtung und Nutzung von DATAGERRY als CMDB

Für den Betrieb einer IT-Umgebung müssen viele Informationen vorgehalten werden. Daten über Geräte, Standorte oder Wartungsverträge sollten im Idealfall für alle zugreifbar und einfach durchsuchbar hinterlegt sein. Eine Configuration Management Database (CMDB) sorgt hier für den nötigen Überblick. In unserem Online-Artikel stellen wir die Open-Source-Software DATAGERRY vor. Dabei gehen wir unter anderem auf die Installation, das Design des richtigen Datenmodells und das Anlegen von Objekten ein.
Gerade bei Störungen müssen Details zur Infrastruktur schnell auffindbar und einfach durchsuchbar sein. Sich erst durch mehreren Excel-Dateien auf dem Fileserver arbeiten zu müssen, ist einem schnellen Überblick nicht förderlich. Eine Configuration Management Database (CMDB) schafft Abhilfe und speichert Informationen über alle Objekte, die für den Betrieb einer IT-Umgebung notwendig sind. Gleichzeitig kann eine CMDB wie das freie DATAGERRY als Datenquelle für Monitoringtools, Ticketsysteme oder DNS dienen. Die Daten lassen sich zentral pflegen und die angebundenen Systeme damit füttern.

Installation von DATAGERRY
DATAGERRY ist unter der AGPLv3 lizensiert und steht unter [1] zum Download bereit. Systemvoraussetzung für die Installation ist eine aktuelle Linux-Distribution (unterstützt werden unter anderem RHEL-7/8-basierte Systeme oder Ubuntu 18.04/20.04). Als Abhängigkeiten bedarf es der NoSQL-Datenbank MongoDB in Version 4.2 und RabbitMQ als Message Broker. Der Anbieter empfiehlt außerdem den Betrieb hinter einem nginx-Reverse-Proxy, der dann gleich für die Absicherung mit HTTPS sorgt.

Die Installation kann wahlweise per RPM Paket, Setup Skript oder als Docker Image mit Docker Compose erfolgen und ist im Admin Guide beschrieben [2]. Nach dem Start loggen Sie sich mit den Standard-Zugangsdaten "admin" / "admin" auf der Weboberfläche ein.
Datenmodell designen
Bevor wir Informationen über einzelne Objekte wie Server, Standorte et cetera ablegen können, erstellen wir zunächst ein Datenmodell. Hier legen Sie fest, welche Objekttypen (Beispiel: Switch) Sie verwalten wollen und welche Informationen Sie dazu abgelegen wollen. Dies geschieht per Drag & Drop in einem Assistenten auf der Weboberfläche.

Ein Objekttyp besteht aus beliebig vielen Feldern. Für einen Switch könnte das zum Beispiel unter anderem Hostname, Management-IP-Adresse, Seriennummer und weitere sein. Für die Felder stehen verschiedene Datentypen wie Textfelder, Passwortfelder, Dropdown-Menüs, Checkboxen oder Datumsfelder zur Verfügung. Mit dem Datentyp "Reference" verknüpfen Sie ein Objekt mit einem anderen, etwa ein Switch mit einem Standort. Innerhalb eines Typs gruppieren Sie die Felder in Abschnitten (Sections). Bild 1 zeigt einen Screenshot von der Erstellung eines Objekttyps "Switch".


Bild 1: Das Erstellen eines Objekttyps "Switch" ist schnell erledigt.

Die Objekttypdefinition ist sozusagen ein Blueprint für ein Objekt und lässt sich nachträglich jederzeit über den Assistenten anpassen. Sie können jederzeit weitere Felder hinzufügen oder vorhandene entfernen. Das Datenmodell ist dynamisch und es bleibt dem Nutzer überlassen, welche Objekttypen mit welchen Feldern er definieren möchte.

Objekte anlegen
Nach der Definition eines Objekttyps legen Sie neue Objekte dieses Typs an. Dies kann zum einen einzeln über die Weboberfläche geschehen. Sind die Daten schon vorhanden, etwa weil sie bisher in Excel-Dateien gepflegt wurden, lassen sich neue Objekte auch per CSV-Import anlegen. Jedes Objekt erhält eine ID, über das es eindeutig im System identifizierbar ist. Bild 2 zeigt einen Screenshot eines CMDB-Objekts vom Typ "Switch".

Beim Editieren von Objekten speichert die Software die durchgeführten Änderungen automatisch ab. So lässt sich nachvollziehen, wer wann welche Informationen abgeändert hat. Möchten Sie mehrere Objekte eines Typs ändern, so können Sie dies per Massenänderung durchführen.

Bild 2: Das CMDM-Objekt vom Typ "Switch" bringt die wichtigsten Eigenschaften des Geräts auf den Bildschirm.

Über die zentrale Suchfunktion durchsuchen Sie DATAGERRY. Dabei läuft eine Volltextsuche über alle CMDB-Objekte unabhängig vom Objekttyp ab. So lässt sich zum Beispiel bei der Suche nach einer Seriennummer schnell ein Gerät wiedergefunden. Über Filter und reguläre Ausdrücke in Suchbegriffen nehmen Sie eine detaillierte Suche vor.

Über externe Links auf Objektebene springen Sie per URL in externe Webanwendungen. Die Links definieren Sie dabei pro Objekttyp und füllen Sie mit Daten aus den Feldern des jeweiligen Objekts. So lässt sich zum Beispiel für ein Standortobjekt ein Link zu Google Maps erstellen oder für einen Switch ein Sprung auf die Verwaltungsoberfläche.

Manchmal ist es sinnvoll, Dateien zu bestimmten Objekten abzulegen, beispielsweise Lizenzdateien oder PDFs zu abgeschlossenen Wartungsverträgen. Diese sind dann als Anhang zu einem CMDB-Objekt hinterlegt – die hochgeladenen Dateien werden intern in der MongoDB-Datenbank gespeichert.

Automatischer Export an externe Systeme

Der Vorteil einer CMDB gegenüber statischen Excel-Tabellen ist, dass Sie die darin abgelegten Informationen auch in externen Systemen verwenden können. Die CMDB dient als Single-Source-of-Truth und kann zum Beispiel Monitoringwerkzeuge, Ticketsysteme, Backuptools oder andere Config-Management-Werkzeuge befüttern. Die Daten sind so nur an einer Stelle zu pflegen und an die angeschlossenen Systeme exportierbar.

In DATAGERRY geschieht das über die Exportd-Schnittstelle eventbasiert beim Anlegen, Ändern oder Löschen von Objekten. Die Anbindung von externen Systemen erfolgt dabei über Plug-ins. Neben generischen Plug-ins, über die sich beliebige externe Systeme per Skript oder REST-API anbinden lassen, sind ab Werk aktuell Plug-ins für das Open-Source-Monitoringtool OpenNMS und das Config-Management-Tool Ansible mit dabei. Beim Anpassen eines CMDB-Objekts werden automatisch die angebundenen Systeme aktualisiert.

Über die DocAPI lassen sich PDF-Dokumente mit Informationen aus CMDB-Objekten per Knopfdruck erzeugen. So generieren Sie etwa Etiketten für Geräte, Checklisten, Servicescheine oder beliebige andere Dokumente. Hierzu erstellen Sie zunächst ein Template in einem WYSIWYG-Editor und können mittels Template-Variablen auf Felder aus CMDB-Objekten zugreifen. Auch QR- oder Barcodes sind möglich. Auf Objektebene erzeugen Sie dann mit einem Klick ein PDF-Dokument.

Datenqualität sicherstellen
Ein wichtiges Thema bei der Verwaltung einer CMDB ist die Sicherstellung der Datenqualität. Nur wenn die Daten in Objekten korrekt gepflegt sind, lassen Sie sich in externen Systemen auch korrekt verwenden. In Objekttypen können Sie hierbei Felder als Pflichtfelder definieren und das korrekte Eingabeformat mit einem regulären Ausdruck sicherstellen. So erzwingen Sie zum Beispiel die Einhaltung eines Namensschemas für Hostnames oder prüfen, ob in einem Feld wirklich eine IP-Adresse steht.

Fazit
Gerade für die Zusammenarbeit im Team ist der Einsatz einer CMDB für den Betrieb einer IT-Umgebung wichtig. Alle wichtigen Informationen finden sich an zentraler Stelle, für alle zugreifbar und einfach durchsuchbar. Auch die Datenweitergabe an andere Systeme ist einfach realisierbar, sodass Sie sich Pflegeaufwand bei diesen Systemen ersparen. Außer auf der Website und im Admin Guide gibt es für DATAGERRY Support über eine Community-Plattform [3].
28.10.2020/ln/Michael Batz, Expert IT Consultant IT-Management bei NETHINKS.

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