Fachartikel

Virtualisierungsprojekte planen (2)

Es sollte gelebte Praxis sein, ein Virtualisierungsprojekt immer mit einer Planungsphase zu beginnen. Dabei werden die Anforderungen gesammelt und nach möglichen Lösungen Ausschau gehalten. Wir zeigen, welche Daten und Anforderungen in Sachen Hypervisor, VMs, Hardware und Backup notwendig dafür sind. Hier spielen technische Gegebenheiten ebenso eine Rolle wie organisatorische. Im zweiten Teil skizzieren wir, wie Sie Cluster-Server sowie Einzelsysteme planen und den Hypervisor festlegen oder wechseln.
Aus dem Ärmel schütteln lässt sich Virtualisierung nicht – vielmehr bedarf es gründlicher Planung.
Cluster-Server planen
Die Anzahl der Server, die zum Einsatz kommt, wird durch die gewünschte Redundanz beeinflusst. Für einen Failover-Cluster benötigen Sie als Minimum zwei Systeme. Zwei Server führen allerdings auch dazu, dass ein System komplett ohne Redundanz läuft, sobald sich das zweite System im Wartungsmodus befindet. Halten Sie sich an einen regelmäßigen Wartungsplan, ist dies mindestens einmal im Monat der Fall. Stürzt ein Hypervisor ab, während sich der zweite Server in einer geplanten Maintenance befindet, ist die gesamte Infrastruktur nicht verfügbar. Setzen Sie hingegen drei oder mehr Server ein, wird der Ausfall zeitnah durch das dritte System abgefangen.

Soll ein Failover-Cluster über mehr als einen Raum gespannt werden, ist dies ebenfalls bei der Anzahl der Hypervisoren zu berücksichtigen. Erst ab vier Systemen haben Sie sowohl über die Räume hinweg als auch innerhalb von jeweils einem Raum eine Redundanz. Dies wirkt sich aber auch preislich auf die Anzahl und Fähigkeiten der Netzwerk- und Storage-Komponenten aus und führt oft zu einer deutlichen Erhöhung der Kosten gegenüber dem Betrieb in einem Raum.

Beachten Sie beim Aufbau einer HA-Lösung an zwei Standorten, dass Sie in jedem Standort ebenfalls eine Redundanz in Bezug auf die Stromversorgung, das Netzwerk und die Storage-Anbindung einrichten. Bei den meisten Lösungen benötigen Sie zusätzlich noch einen dritten Standort, an dem das Quorum für die beiden anderen Standorte läuft. Dies ist bei einem Hyper-V-Failover-Cluster Pflicht, da es sonst zu massiven Problemen kommen kann.

Wird die gesamte Kommunikation zwischen den beiden Räumen getrennt (Stichwort Bagger), entscheidet das Quorum, welcher der beiden Standorte die Mehrheit bekommt und den Betrieb weiterführt. Haben Sie kein Quorum (oder das Quorum befindet sich in einem der beiden Standorte, was wir in der Praxis durchaus öfter beobachten), gehen entweder beide Räume offline oder beide Räume starten alle Systeme und Sie betreiben Ihre gesamte IT doppelt. Um dies zu vermeiden, brauchen Sie einen Partner, der die Fallstricke und Abhängigkeiten in solch einem Aufbau kennt und meistern kann.

Der Test eines solchen Aufbaus vor einer eigentlichen Inbetriebnahme ist auch sehr wichtig. Uns ist bei Unternehmen oft die Situation begegnet, in denen uns der HA-Aufbau stolz präsentiert und gezeigt wurde – fragten wir dann aber nach dem Ergebnis des Ausfalltests, war die häufige Antwort, dass das alles nie real getestet wurde. Dies führt dazu, dass die entsprechenden IT-Verantwortlichen annehmen, dass es problemlos weitergeht – ohne darüber wirkliche Gewissheit zu haben.
Ausprägung der Einzelsysteme planen
Kommen wir noch einmal kurz zurück auf die Anzahl und Ausstattung der eingesetzten Serversysteme. Hier geht es darum, einen guten Mittelwert zwischen Menge und Größe der Server zu finden. Der Kauf von vielen "kleinen" Systemen ist wirtschaftlich genauso unsinnig wie der Kauf von zwei voll ausgebauten Systemen. Bei voll ausgebauten Servern steigt der Preis teilweise exponentiell an (unter anderem wegen den sehr teuren RAM-Modulen in der maximalen Kapazität), weiterhin stehen bei einem Ausfall oder einer Wartung nur noch die Hälfte aller Ressourcen zur Verfügung.

Viele kleine Systeme hingegen sind vielleicht in der Anschaffung günstiger, verbrauchen aber auch mehr Strom, führen zu einem größeren Wartungsaufwand und benötigen mehr Lizenzen. Da die Systeme zum Teil auch nicht wirklich klein sind, müssen Sie je nach Größe der Räume auch den Platz berücksichtigen. Betreiben Sie die Systeme in einem professionellen Rechenzentrum an einem Internetknoten wie etwa Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin, werden Sie hier in den meisten Fällen neben Strom und Internetanbindung auch noch die Fläche bezahlen, die Ihre Server nutzen.

Seite 2: Hypervisor festlegen oder wechseln



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8.02.2021/jp/ln/Jan Kappen

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