Münchner Stadtrat setzt erneut auf Open Source

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Münchner Stadtrat setzt erneut auf Open Source

14.05.2026 - 00:00
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Rund neun Jahre nach dem offiziellen Aus des Linux-Projekts LiMux und fünf Jahre nach der ersten politischen Rückkehr zu Open Source treibt die Stadt München ihre Strategie für digitale Souveränität inzwischen deutlich konkreter voran. Während der spektakuläre Wechsel zurück zu Microsoft-Produkten im Jahr 2017 vielerorts als Scheitern von LiMux interpretiert wurde, verfolgt die bayerische Landeshauptstadt heute einen pragmatischeren Ansatz: Open Source soll überall dort eingesetzt werden, wo es technisch, organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Bereits 2021 hatte der Münchner Stadtrat beschlossen, selbst entwickelte Software möglichst als Open Source zu veröffentlichen und offene Standards stärker zu fördern. Inzwischen wurde diese Strategie weiter ausgebaut. Die neue „Mango-Koalition“ aus Grünen, SPD, FDP und Freien Wählern erklärte 2026 Open Source erneut zum bevorzugten Beschaffungsmodell für die Stadtverwaltung. Ziel ist vor allem mehr digitale Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern wie Microsoft sowie eine stärkere Kontrolle über Daten, Schnittstellen und langfristige IT-Kosten.

Vom LiMux-Projekt zur digitalen Souveränität

Das ursprüngliche LiMux-Projekt startete bereits 2003 und galt weltweit als eines der größten Open-Source-Migrationsprojekte einer öffentlichen Verwaltung. Bis 2013 liefen über 12.000 Arbeitsplatzrechner der Stadt auf Linux und OpenOffice beziehungsweise LibreOffice. Parallel entwickelte München mit „WollMux“ sogar eigene Open-Source-Werkzeuge für Vorlagen, Formulare und Serienbriefe.

2017 erfolgte jedoch die politische Kehrtwende: Der Stadtrat beschloss die Rückmigration auf Windows 10 und Microsoft Office. Als Gründe wurden unter anderem Kompatibilitätsprobleme, hohe Support-Aufwände und Schwierigkeiten bei Fachanwendungen genannt. Kritiker vermuteten allerdings auch politischen und wirtschaftlichen Einfluss großer Softwareanbieter.

Open Source Program Office und neue Initiativen

Heute verfolgt München keinen radikalen Komplettumstieg mehr, sondern einen hybriden Ansatz. Zentraler Bestandteil ist das 2024 gegründete Open Source Program Office (OSPO), das Open-Source-Projekte innerhalb der Verwaltung koordiniert und Entwicklerprogramme organisiert. Dazu gehört beispielsweise ein „Open-Source-Sabbatical“, bei dem externe Entwickler zeitweise gemeinsam mit der Stadtverwaltung an freien Softwareprojekten arbeiten.

Außerdem setzt München verstärkt auf:

  • offene Schnittstellen,
  • herstellerneutrale Standards,
  • Open-Source-basierte Eigenentwicklungen,
  • Wiederverwendbarkeit öffentlich finanzierter Software,
  • sowie stärkere Zusammenarbeit mit anderen Kommunen.

Der Gedanke „Public Money, Public Code“ spielt dabei weiterhin eine wichtige Rolle, auch wenn die Stadt die gleichnamige FSFE-Kampagne formal bislang nicht offiziell unterstützt.

Europaweiter Trend stärkt Münchens Kurs

München steht mit seiner Strategie inzwischen nicht mehr allein da. Mehrere europäische Verwaltungen treiben derzeit Open-Source-Strategien voran. Schleswig-Holstein migriert große Teile seiner Landesverwaltung weg von Microsoft-Produkten, während auch Frankreich und die Schweiz ihre digitale Souveränität stärken wollen. Hintergrund sind neben Kostenfragen vor allem geopolitische Überlegungen, Datenschutz sowie die Abhängigkeit von US-Cloud- und Softwareanbietern.

Kein neues LiMux 2.0

Eine vollständige Rückkehr zu einem reinen Linux-Desktop wie beim ursprünglichen LiMux-Projekt zeichnet sich derzeit allerdings nicht ab. Stattdessen setzt München heute auf einen deutlich pragmatischeren und flexibleren Ansatz. Proprietäre Lösungen bleiben dort im Einsatz, wo Fachverfahren, Kompatibilität oder Wirtschaftlichkeit dies erfordern. Open Source wird dagegen als strategisches Mittel zur digitalen Souveränität verstanden – nicht mehr als ideologisches Großprojekt.


Koalitionsvereinbarung für die Stadtratsperiode 2026 – 2032

Münchner Digitalisierungsstrategie

Open Source-Projekte, die von der Landeshauptstadt München entwickelt, beauftragt oder gesponsert werden