Fachartikel

Mit dem Windows Performance Toolkit Leistungsengpässe finden (2)

Mit dem Windows Performance Toolkit lassen sich Leistungsengpässe sowie Startprobleme und Verzögerungen von Anwendungen messen. Im Gegensatz zur Windows-internen Leistungsüberwachung arbeitet das Tool nicht mit Indikatoren, sondern verwendet eigene Messpunkte. Die neue Version des Werkzeugs ist für Windows Server 2012 R2 / 2016 und Windows 10 optimiert, lässt sich aber auch für ältere Windows-Server-Versionen einsetzen. Im zweiten Teil gehen wir abschließend darauf ein, wie Sie Messdateien mit WPA auswerten und Systeminformationen zu Servern anzeigen.
Ist der Datenfluss im Netzwerk verstopft, schlägt die Stunde des Windows Performance Toolkits.
Messdateien mit WPA auswerten
Die erstellten Dateien können Sie mit dem Windows Performance Analyzer öffnen, den Sie in der Programmgruppe "Windows Performance Toolkit" finden. Um die Messungen anzuzeigen, öffnen Sie die Datei "C:\kernel.etl" oder die ETL-Datei des Bootvorgangs über "File / Open".

Die Messdateien sind transportabel. Das heißt, Sie können nach der Leistungsmessung durch "Xperf.exe" oder "Xbootmgr.exe" die Analyse auch auf einem anderen Computer durchführen, indem Sie die ETL-Dateien kopieren und öffnen.

Die Anzeige der verschiedenen Bereiche filtern Sie über den Menübereich, den Sie durch Anklicken des linken Teils des Fensters einblenden. Klicken Sie dazu auf das Symbol am linken Rand in der Mitte des Fensters. Ihnen stehen an dieser Stelle die verschiedenen Messbereiche zur Verfügung.

Entfernen Sie den Haken bei einem Kontrollkästchen, ist das entsprechende Diagramm im Viewer ebenfalls verschwunden. Auf diese Weise blenden Sie genau die Inhalte ein, die Sie benötigen. Die Anzeige ist dynamisch, das heißt einmal eingeblendete Diagramme können Sie jederzeit ausblenden und umgekehrt. So haben Sie immer genau die Daten im Blick, die Sie aktuell analysieren wollen. Lassen Sie sich zum Beispiel beim Messen des Bootvorgangs nur "CPU Usage by Process" anzeigen, sehen Sie, wie viel CPU-Last die einzelnen Prozesse verursachen.

Klicken Sie auf die Grafik in einem Diagramm, können Sie zu Teilen der Anzeige heranzoomen. Dazu markieren Sie den Bereich mit der Maus, den Sie zoomen wollen und klicken diesen mit der rechten Maustaste an. Mit dem Menübefehl "Zoom to Selection" starten Sie den Zoomvorgang. Neben Grafiken können Sie auch Tabellen erstellen, indem Sie im Kontextmenü die Option "Summary Table" auswählen.

In der Tabelle sehen Sie über den gemessenen Zeitraum Informationen ähnlich zum Task-Manager. Sie erkennen auf diese Weise sehr schnell, welcher Prozess zum Beispiel die meiste CPU-Last verursacht hat. Die Ansicht lässt sich sortieren, indem Sie auf die entsprechende Spalte der Tabelle klicken. Markieren Sie verschiedene Zeilen der Tabelle, können Sie im Kontextmenü durch Auswahl von "Export Selection" die Daten in eine CSV-Datei exportieren. Diese können Sie dann später mit Excel weiterbearbeiten.
Systeminformationen zu Servern anzeigen
Führen Sie eine Messung von mehreren Servern mit dem Windows Performance Toolkit durch, ist es auch interessant zu wissen, wie die Systemkonfiguration des gemessenen Computers ist und zu welchem Computer die Messdatei gehört, die Sie aktuell überprüfen. Diese Informationen speichert das WPT ebenfalls in der ETL-Datei.

Klicken Sie im Viewer auf "Trace / System Configuration", öffnet sich ein neues Fenster, wo Sie ausführliche Informationen zum Computer erhalten Das Fenster zeigt den Computernamen, die Domäne, das installierte Betriebssystem, den Versionsstand, die Taktung des Prozessors und die Größe des Arbeitsspeichers an.

Bild 2: Grafiken und Tabellen der Leistungsanalyse lassen sich an individuelle Bedürfnisse anpassen.

Über verschiedene Menükarten erhalten Sie weitere Informationen zum Server. Auch hier haben Sie durch Markieren und Rechtsklick die Möglichkeit, Daten in CSV-Dateien zu exportieren und damit in Excel zu importieren.

Über den Menüpunkt "Traces" sehen Sie, wann Sie die Messung genau durchgeführt haben. In der Befehlszeile aktualisieren Sie die Systemkonfiguration mit dem Befehl
xperf -i trace.etl -a sysconfig
Mit dem Bordmittel-Befehl "systeminfo" in der Befehlszeile zeigen Sie alle Informationen eines Servers in der Eingabeaufforderung an, darunter finden sich Infos über Hotfixes, Netzwerkkarten, Prozessor, Betriebssystem, Hersteller und so weiter. Sogar die aktuelle Systembetriebszeit (also wie lange der Rechner bereits läuft) und das ursprüngliche Installationsdatum lässt sich herausfinden.

Hier empfiehlt sich die Umleitung in eine Textdatei, wobei Sie zusätzlich den Parameter "/FO list" angeben sollten, um die Informationen formatiert zu speichern. Um alle Infos in die Textdatei "C:\sysinfo.txt" zu speichern, verwenden Sie den Befehl
systeminfo /FO list > C:\sysinfo.txt
Diese Datei können Sie anschließend mit der ETL-Datei des WPT zur Analyse weiterverwenden.

Fazit
Das Windows Performance Toolkit und die enthaltenen Werkzeuge liefern erfahrenen Administratoren tiefe Systemeinblicke. Dies erfordert zwar ein gewisses Maß an Einarbeitung, kann dann jedoch bei der Analyse von Leistungsproblemen bei sehr wichtigen Servern – etwa wenn es in der Terminalserverfarm nicht rund läuft – wichtige Hinweise liefern. Denn die Tools liefern genaue Informationen dazu, wo die Leistungsbremse sich versteckt: CPU, Storage oder gar im Bootvorgang.

In Teil 1 des Workshops wagten wir erste Schritte mit der Leistungsmessung, gingen dann aber auch auf die detaillierte Erfassung einzelner Prozesse ein. Zudem beschäftigen wir uns mit den Tools Xperf, Xperfview und Xbootmgr.
17.02.2020/jp/ln/Thomas Joos

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