Fachartikel

Mit dem Windows Performance Toolkit Leistungsengpässe finden (1)

Mit dem Windows Performance Toolkit lassen sich Leistungsengpässe sowie Startprobleme und Verzögerungen von Anwendungen messen. Im Gegensatz zur Windows-internen Leistungsüberwachung arbeitet das Tool nicht mit Indikatoren, sondern verwendet eigene Messpunkte. Die neue Version des Werkzeugs ist für Windows Server 2012 R2 / 2016 und Windows 10 optimiert, lässt sich aber auch für ältere Windows-Server-Versionen einsetzen. In Teil 1 des Workshops wagen wir erste Schritte mit der Leistungsmessung, gehen dann aber auch auf die detaillierte Erfassung einzelner Prozesse ein. Zudem beschäftigen wir uns mit den Tools Xperf, Xperfview und Xbootmgr.
Ist der Datenfluss im Netzwerk verstopft, schlägt die Stunde des Windows Performance Toolkits.
Das kostenlose Windows Performance Toolkit (WPT) ist Bestandteil des "Windows Assessment and Deployment Toolkit for Windows 10" [1]. Während der Installation des ADK für Windows 10 können Sie auswählen, welche Funktionen Sie benötigen. In unserem Fall handelt es sich um das "Windows Performance Toolkit". Nach der Installation sind die verschiedenen Tools aus dem WPT verfügbar. Über die Eingabeaufforderung und xperf.exe starten Sie die Software und können mit der Leistungsmessung beginnen.

Erste Schritte mit der Leistungsmessung
Die erste Leistungsmessung beginnen Sie mit dem Windows Performance Recorder (WPR) in der grafischen Oberfläche. Öffnen Sie das Tool und klicken Sie auf "Start", um die Messung zu beginnen. Dann führen Sie typische Verwaltungsaufgaben mit dem Server durch, deren Ressourcenhunger WPR notiert. Klicken Sie auf "Save", erstellt WPR eine ETL-Datei mit den Daten der Messung. Zur Auswertung lesen Sie diese im Windows Performance Analyzer (WPA) über "File / Open" ein. Nun wählen Sie die erstellte ETL-Datei aus und lassen diese in das Tool importieren. Auf der linken Seite sehen Sie eine Zusammenfassung der Daten, die Sie auch weiter aufklappen können.

Hier finden Sie bereits einen Überblick zur Leistungsmessung: Die Leistung der CPU ist im Bereich "Computation" zu sehen, die Festplattenlast finden Sie über "Storage", die Auslastung des Arbeitsspeichers bei "Memory" und Prozesse und Dienste finden Sie im Bereich "System Activity". Mit den hier gezeigten Informationen können Sie umfangreiche und detaillierte Analysen durchführen. Sie sehen bereits in der Zusammenfassung, welche Ressourcen im Zeitrahmen der Messung besonders ausgelastet waren.

Sie können die gemessenen Daten aufklappen und über das Kontextmenü der einzelnen Bereiche auf der linken Seite werden – durch die Auswahl von "Add graph to Analysis view" – die Daten der Messung in das Hauptfenster aufgenommen. Dort sehen Sie dann eine detailliertere Grafik und eine Tabelle mit den Messdaten. Sie können an dieser Stelle auch mehrere Registerkarten öffnen oder verschiedene Messdaten in der gleichen Registerkarte aufnehmen, zum Beispiel die Auslastung des Arbeitsspeichers und der CPU.

Bild 1: Die Leistungsmessung eines Windows-Servers erfolgt mit dem Windows Performance Recorder.

In der Grafik sehen Sie oben links die Prozesse, die die Systemlast verursacht haben und auf der rechten Seite deren genauen Auslastung. In der Tabelle unten finden Sie wiederum – je nach Ihrer Auswahl – genaue Daten der Messung. Mit dieser Übersicht können Sie jetzt sehr detaillierte Analysen durchführen und erkennen genau, wann welcher Prozess die von Ihnen ausgewählte Ressource belastet hat. Fahren Sie mit der Maus auf eine Linie, werden umfangreiche Informationen eingeblendet. Das Fenster zeigt Ihnen auf Basis von Farben die einzelnen Prozesse, inklusive einer Legende auf der linken Seite.

Klicken Sie auf der linken Seite den Kasten des Prozesses an, können Sie diesen aus der Grafik ausblenden. Markieren Sie in der Tabelle unten einen Prozess, findet dies auch im oberen Bereich der Grafik statt. Die Tabelle können Sie wiederum durch Anklicken der Spalten sortieren.

Markieren Sie in der Grafik einzelne Bereiche, werden im unteren Teil der Tabelle die Prozesse markiert, die zu diesem Zeitpunkt aktiv waren und den Server belastet haben. Über das Kontextmenü des markierten Bereichs können Sie in diesen zoomen und erhalten dadurch detaillierte Informationen zu bestimmten Leistungsspitzen. Im gezoomtem Abschnitt können Sie jetzt über das Kontextmenü von Prozessen in der unteren Tabelle durch die Auswahl von "Filter to selection" eine Ansicht speziell für den Prozess aktivieren.
Einzelne Prozesse detailliert messen
Reichen Ihnen diese Daten zur Leistungsmessung nicht aus, fügen Sie über die gemessenen Daten auf der linken Seite der Analyse weitere Ressourcen hinzu. So führen Sie beispielsweise parallel eine Analyse der CPU und der Datenträger durch, um einen Zusammenhang bei Leistungsproblemen zu finden.

Haben Sie bereits Analysen durchgeführt und Filter oder Zooms gesetzt, passt sich der Windows Performance Analyzer für die hinzugefügte Ressource automatisch an. Das heißt, Sie können beim Hinzufügen der Datenträgerüberwachung sofort den ausgewählten Prozess über den Zeitraum und Zoombereich der Ressource sehen, ohne die Einstellungen erneut setzen zu müssen. Über die Menüleiste im oberen Bereich filtern Sie die Anzeige und aktivieren unterschiedliche Ansichten, was sich auch auf die Tabelle und die Grafik in der Anzeige auswirkt. Die Darstellung lässt sich ebenso an individuelle Anforderungen anpassen wie die Tabelle. Letztere modifizieren Sie über das Zahnradsymbol und können Spalten hinzufügen und entfernen. Auf der linken Seite sehen Sie die Spalten, die sich ein- und ausblenden lassen und rechts die aktuelle Ansicht und weitere Spalten und Sortierungen. Die gelbe Linie können Sie verschieben, um Daten zu gruppieren.

Für jede Spalte lässt sich optional festlegen, was der WPA anzeigen soll, wobei die Schaltfläche "Advanced" eine Detailkonfiguration ermöglicht – standardmäßig ist das aber nicht notwendig. Die Reihenfolge der Spalten passen Sie einfach mit Drag&Drop oder über das Kontextmenü an, was sich dann in der Tabelle automatisch widerspiegelt.

Ihre Ansichten speichern Sie über das Zahnradsymbol und die Schaltfläche "Manage". So lassen sich diese jederzeit wieder laden. Im oberen Bereich des Fensters erscheint der Name der gespeicherten Ansicht. Speichern Sie auf diesem Weg mehrere Ansichten, können Sie über das Menü oben in den Einstellungen Ihre Ansicht jederzeit aktivieren.

Über das Menü "Profiles" steht Ihnen für alle WPA-Einstellungen ein Im- und Export zur Verfügung. So können Sie auf neuen Rechnern oder bei Neuinstallationen schnell Ihre Einstellungen wiederherstellen. Und der Punkt "File / Export Session" erlaubt, die komplette Analyse mit der ETL-Datei mit allen Einstellungen zu ex- beziehungsweise zu importieren.



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10.02.2020/jp/ln/Thomas Joos

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