Fachartikel

Mainframe goes Software

Etliche Unternehmen nutzen Mainframes für unternehmenskritische Geschäftsprozesse. Die Entwicklung und Modernisierung der dazugehörigen Applikationen verschlangen Unsummen. Fachkräftemangel, Vendor-Lock-in und die enormen Betriebskosten sind zusätzliche Herausforderungen. Mittels eines Software-defined Mainframes (SDM) können sich Organisationen schrittweise von ihrer Mainframe-Hardware lösen, weiterhin Legacy-Applikationen nutzen und so das Risiko für den geschäftskritischen Betrieb minimieren.
Auch der Dinosaurier Mainframe lässt sich durch softwaredefinierte Prozesse in die Gegenwart bringen.
Sie sind nach wie vor im Einsatz, trotz hoher Kosten und eingeschränkter Flexibilität: die Mainframes. Viele Nutzer dieser – gelegentlich auch als Dinosaurier der IT bezeichneten – Großrechner suchen nach Wegen, ihre Bestandsapplikationen auf moderne Plattformen zu migrieren. Dabei handelt es sich zumeist um Anwendungen, die ein integrales Element unternehmenskritischer Geschäftsprozesse sind. Eine Migration auf herkömmlichem Wege stellt also ein nicht zu unterschätzendes technisches und betriebswirtschaftliches Risiko dar.

Es ist keineswegs einfach, eine derartige Applikation neu zu schreiben oder auf eine Standardapplikation zu migrieren, sofern eine solche überhaupt verfügbar ist. Dabei ist zu beachten, dass Unternehmen, beispielsweise aus dem Finanzsektor, den Einsatz des Großrechners nach wie vor für bestimmte Aufgaben schätzen, nur haben diese einen hohen Preis.

Mainframes nur bedingt zu ersetzen
Zudem wird es zusehends schwieriger, den Betrieb sicherzustellen und Innovation voranzutreiben.  Dennoch kommen die Unternehmen kaum um eine grundsätzliche Modernisierung – nicht nur um neue Oberflächen – herum. Die Mainframes wurden für spezielle Aufgaben entwickelt, die eine hohe Zahl an Transaktionen erfordern, aber sie bedürfen eben tiefen Fachwissens, um diese effektiv zu bedienen. Für agile Organisationen in einem zunehmend dynamischen Markt ist daher der Großrechner eher ein Hemmschuh der Innovation als ein strategischer Vorteil. Für viele der Unternehmen ist es damit höchste Zeit, sich mit der Ablöse des Mainframes intensiver zu befassen.

Genau dafür bietet ein Software-defined Mainframe (SDM), beispielsweise der von LzLabs (LzSDM), in den meisten Fällen die bessere Alternative als ein vollständiges Migrieren mit vollständig neuen Anwendungen auf eine komplett andere IT-Landschaft in einem Schritt. Der SDM ist speziell für einen inkrementellen und risikoarmen Migrationsprozess konzipiert.
Konkrete Migration als Beispiel
Ausgangspunkt der im Folgenden beschriebenen, beispielhaften Vorgehensweise war eine konkrete klassische Mainframe-Konfiguration eines großen europäischen Finanzdienstleisters mit einem Transaktionsmonitor und einem Anwendungssatz, der auf einer relationalen Datenbank basiert. Es handelt sich also keineswegs um eine rein theoretische Vorgehensweise, sondern um einen Prozess, der in dieser Form konkret bei der Migration vom Mainframe zum SDM stattgefunden hat.

Der hier in diesem Beispiel migrierte Mainframe war im Laufe der vergangenen 20 Jahre mit einer Weboberfläche versehen worden, unter der sich jedoch nach wie vor das Legacy-System befand. Die Umgebung bestand also aus verschiedenen Komponenten in unterschiedlichen Ebenen. Sie umfassten einen Application-Server, einen Enterprise Service Bus (ESB), ein Gateway zum Transaktionsmonitor sowie einen Remotezugriff auf die relationale Datenbank. Da die Legacy-Anwendungen mit einer Vielzahl anderer Systeme interagieren mussten, verfügten sie alle über passende Zugangspunkte.

Weil der SDM – nicht nur hier, sondern grundsätzlich – zur Mainframe-Umgebung binär kompatibel ist, lässt sich die Integration und/oder Anbindung der Applikation in eine solche SDM-Umgebung gut realisieren. Darüber hinaus eignet sich eine solche Architektur auf mehreren Ebenen ideal für den Einsatz des SDM, um in einem ersten Schritt die Transaktionen auszulagern.

Das Unternehmen ist dabei in der Lage, selbst zu bestimmen, welche dieser Transaktionen auf die SDM-Domäne ausgelagert werden und welche in der bestehenden Umgebung verbleiben sollen. Dies lässt sich schrittweise, nachprüfbar und kontrolliert umsetzen.

Schnellere Tests reduzieren Zeit und Kosten der Migration
Im Rahmen einer solchen Migration spielt das Testen eine große Rolle, denn aufgrund der tiefen Integration in die kritischen Geschäftsprozesse können Fehler fatale Folgen für das gesamte Geschäft verursachen.

Der SDM hat auch an dieser Stelle einen großen Vorteil gegenüber anderen Migrationsmethoden. Aufgrund der erwähnten Binärkompatibilität lässt sich der Testaufwand um rund zwei Drittel reduzieren. Hier spielt zudem eine Rolle, dass die Datenformate und Schnittstellen weitestgehend unberührt bleiben, sodass die Tests und der Vergleich der Ergebnisse zwischen SDM und Legacy-System in einem stärkeren Maße automatisiert werden können.

Doch um diese Tests überhaupt durchführen zu können, ist ein umfangreiches Wissen über den Mainframe und die Anwendungen notwendig. Schließlich sind die Migration auf eine Nicht-Mainframe-Umgebung oder der Einsatz von Standardapplikationen auf einem SDM aufwendige Aufgaben. Dazu gehört unter anderem auch, zu definieren, wie die Ergebnisse aus den Transaktionen aussehen müssen, um richtig und damit weiter verwendbar zu sein. Ein einfacher Vorher-Nachher-Vergleich der Ausführungsergebnisse wäre sonst praktisch nicht möglich.

23.12.2020/ln/Mike Cairns, Senior Client Solutions Engineer bei LzLabs

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