Fachartikel

Seite 2 - Virtualisierungsmanager Proxmox VE (2)

Vorsicht bei hyperconverged Setups
Warnen möchten wir allerdings vor einer Empfehlung, die Proxmox noch immer gibt: Die Verantwortlichen raten den Kunden zu sogenannten hyperconverged Setups, bei denen VMs und Storage auf denselben Servern lagern. Die Ceph-Entwickler selbst raten davon hingegen dringlich ab: Besonders nach dem Ausfall eines Ceph-Knotens produzieren die verbliebenen Systeme viel Ceph-Management-Load und -Traffic, um Replikas wiederherzustellen.

Das belastet die im System vorhandenen CPUs im schlimmsten Fall stark – und freilich auch virtuelle Maschinen, wenn diese ebenfalls auf den Systemen laufen. Wenn es ganz dumm läuft, führt auf diese Weise der Ausfall eines einzelnen Ceph-Clusters mit vielen Platten in einer Art Domino-Effekt zum Ausfall vieler virtueller Maschinen. Es scheint daher die deutlich bessere Variante zu sein, den Empfehlungen der Ceph-Entwickler zu folgen und Ceph und virtuelle Maschinen zu trennen.
Verwaltung und Zugriff
Im Hinblick auf die feilgebotene Funktionalität gibt Proxmox VE sich zunächst keine Blöße – doch eine solche Lösung ist nur dann wirklich nützlich, wenn sie dem Administrator auch seine Arbeit erleichtert. Proxmox tritt mit eben diesem Ziel an und bietet verschiedene Optionen. Da ist zunächst der Umstand, dass Proxmox in den aktuellen Versionen eine API bietet, die ReST-ähnlich ist und das Absetzen von Befehlen in automatisierter Art und Weise ermöglicht.

Es ist kaum von der Hand zu weisen, dass sich Proxmox an dieser Stelle von den gängigen Cloudlösungen hat inspirieren lassen, aber das ist nicht schlimm. Die Steuerung per API funktioniert sehr gut und bietet keinen Grund zur Kritik. Für die meisten Admins deutlich wichtiger dürfte die GUI sein, die ebenfalls fix zu Proxmox gehört. Bis einschließlich Version 4 kam sie eher altbacken daher; mittlerweile haben die Entwickler die Oberfläche renoviert und an den geänderten Zeitgeist angepasst.


Bild 4: Die GUI für Proxmox lässt sich per Browser nutzen und bietet Zugriff auf alle wichtigen Funktionen des Produkts.

In Proxmox VE 5 wirkt die Oberfläche für die Steuerung der Plattform jedenfalls modern reduziert. Nicht reduziert ist aber der Funktionsumfang: Quasi jede Eigenschaft von Proxmox lässt sich problemlos per GUI steuern. Und jene GUI ist auch noch sinnvoll konzipiert: Ihre Nutzung erfolgt über einen Webbrowser und bedingt nicht das Setup eines "Admin-Hosts". Stattdessen kann die Admin-GUI auf einem beliebigen Host des Setups einfach mitlaufen (Bild 4). Praktisch: Proxmox bietet die Möglichkeit zur Anbindung an bereits bestehende Benutzerverwaltungen, etwa Active Directory oder LDAP. Wer beides nicht hat, greift alternativ auf die umfassende Benutzerverwaltung von Proxmox selbst zurück: Die bietet fein granuliert die Möglichkeit, Berechtigungen zu vergeben oder einzuschränken und wird den Anforderungen von fein granulierten Nutzerrechten in modernen Umgebungen problemlos gerecht.

Fazit
Proxmox ist eine gute Alternative für jene Unternehmen, die eine umfassende und gut funktionierende Virtualisierungsplattform brauchen, ohne sich auf einen der großen Hersteller einzulassen. Die von Proxmox angebotenen Funktionen verrichten im Alltag klaglos ihren Dienst und das Produkt wirkt sinnvoll konzipiert und gut durchdacht. Die meisten Funktionen lassen sich zudem wie vom Hersteller vorgegeben benutzen, ohne große Angst zu haben, gleich bei der Konzeption der Umgebung einen großen Fehler zu machen. Wer allerdings auf das Standard-Storage-Backend Ceph setzt, sollte die Finger von hyperconverged Setups lassen und den Speicher lieber auf separater Hardware betreiben. Das erspart unserer Erfahrung nach im Alltag einiges an Stress und Mühe.

Seite 2: Vorsicht bei hyperconverged Setups

In der ersten Folge des Workshops warfen wir einen Blick auf die Architektur von Proxmox und stellten den Umgang mit virtuellen Maschinen dar.

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12.07.2021/dr/ln/Martin Loschwitz

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