Lizenzierung von Windows Server 2019 in virtualisierten Umgebungen - Big Money

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Lizenzierung von Windows Server 2019 in virtualisierten Umgebungen - Big Money

04.04.2019 - 12:12
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Mit Windows Server 2019 ändert Microsoft teilweise deutlich seine Lizenzierungspolitik, vor allem im Vergleich zu Windows Server 2012/2012 R2. Unternehmen sollten, neben eventuellen Verträgen zu Leasing, Miete oder Kauf, auch beachten, welche Edition sie einsetzen wollen und welche Anzahl von Lizenzen sie benötigen. Da immer mehr Server virtualisiert werden, spielt auch dies bei der Auswahl der Lizenz eine wichtige Rolle.

Die Editionen Standard und Datacenter liefern in Windows Server 2019 nahezu den gleichen Funktionsumfang. Allerdings gab es mit Windows Server 2016 Unterschiede bei den Storage-Funktionen, was sich aber teilweise mit Server 2019 wieder geändert hat. So unterstützt nur die Datacenter-Edition Storage Spaces Direct und Storage Replica. In Windows Server 2019 gelten diese Einschränkungen auch, allerdings lässt Microsoft die Storage-Replikation eines Volumes zu einem Ziel in der Standard-Edition zu.

Beide Editionen bieten Container-Technologie und die Nano-Installation als Image. Allerdings müssen Sie beim Einsatz der Hyper-V-Containers darauf achten, dass die Standard-Edition nur zwei Container unterstützt, da nur zwei VMs erlaubt sind. Hyper-V-Container werden in diesem Fall wie ein virtueller Server gewertet. Das gilt natürlich nur für Hyper-V-Container, Windows Server Container können Sie auch in der Standard-Edition unbegrenzt erstellen. Nano-Server sind in Windows Server 2016 an Software Assurance gebunden.

Windows Server 2019 lizenzieren

Die Lizenzierung von Windows Server 2019 erfolgt nicht auf Basis der CPUs wie in Vorgängerversionen bis Windows Server 2012 R2, sondern auf Basis der CPU-Kerne. Das wurde bereits mit Windows Server 2016 geändert. In Hyper-V werden wiederum bei virtuellen Servern die logischen Prozessoren lizenziert, da diese das Pendant zu den physischen Prozessorkernen darstellen.

Beide Editionen von Windows Server 2016/2019 decken pro Lizenz immer nur zwei Prozessorkerne des Hosts oder zwei logische CPUs ab. Die erforderliche Mindestanzahl von Betriebssystemlizenzen für jeden Server wird durch die Anzahl der physischen Prozessorkerne des Hosts sowie die Anzahl an virtuellen Servern bestimmt, die Sie auf dem Hyper-V-Host installieren. Setzen Sie also Server mit mehreren Prozessoren ein, ist pro Kern-Paar jeder CPU eine Lizenz notwendig, egal welche Edition im Einsatz ist.

Sie müssen für jeden Server mindestens acht Kerne pro CPU und mindestens zwei CPUs lizenzieren, also 16 CPU-Kerne. Setzen Sie einen Dual-Prozessor mit je acht Kernen ein, müssen Sie also acht Lizenzen für diese 16 Kerne erwerben. Für jeden Kern mehr müssen Sie ein Core-Pack kaufen, damit alle Kerne lizenziert sind. In Windows Server 2016/2019 Standard dürfen Sie pro Lizenz zwei VMs installieren, Windows Server 2016/2019 Datacenter kennt kein Limit. Hier müssen Sie lediglich alle Prozessorkerne des Servers lizenzieren [1].

Clientzugriffslizenzen beachten

Für die Editionen Standard und Datacenter benötigen Sie weiterhin Clientzugriffs-Lizenzen (CALs). Das gilt auch dann, wenn Sie mit virtuellen Servern arbeiten. Auch für Server 2019 können Sie CALs benutzerbasiert oder pro Gerät erwerben, dürfen sie aber nicht aufsplitten. Clientzugriffslizenzen und Remotedesktop-Clientzugriffslizenzen (RDCALs) sowie Lizenzen für die Active-Directory-Rechteverwaltung (ADRMS) sind in Windows Server 2019 weiterhin notwendig, aber ebenfalls nur in den Editionen Standard und Datacenter. Auch hier gibt es Gerätelizenzen oder Benutzerlizenzen für den Zugriff. Sie müssen bereits bei der Bestellung Ihrer Lizenzen im Voraus planen, welchen Lizenztyp Sie einsetzen wollen.

Sie können die verschiedenen Lizenzen mischen. Es ist jedoch nicht erlaubt, die einzeln erhältlichen Lizenzpakete in Geräte- und Benutzerlizenzen aufzusplitten. Sie dürfen also ein 5er-Paket Gerätelizenzen und ein 5er-Paket Benutzerlizenzen für einen Server kaufen und lizenzieren. Es ist aber nicht erlaubt, diese Pakete als 2er-Gerätelizenz und 8er-Benutzerlizenz zu verwenden. Auch ist nicht zulässig, mit CALs von Vorgängerversionen auf Server mit Windows Server 2019 zuzugreifen.

Hyper-V Server 2019

Microsoft stellt auch mit Windows Server 2019 die Hyper-V-Serverrolle als eigenständigen Server kostenlos zur Verfügung. Das Produkt bietet alle Funktionen im Bereich Hyper-V, die auch in Windows Server 2019 verfügbar sind. Lohnenswert ist der Einsatz zum Beispiel für Unternehmen, die Server 2012/2012 R2 lizenziert haben und einsetzen, aber nicht zu Windows Server 2019 wechseln wollen. Durch den kostenlosen Server profitieren Sie von allen Funktionen, die Windows Server 2019 im Bereich Hyper-V bietet, ohne zusätzliche Lizenzen kaufen zu müssen.

Noch sinnvoller ist der Einsatz von Hyper-V Server 2019 in Unternehmen, die auf Linux-Server bauen. Da Hyper-V Server 2019 auch dynamischen Arbeitsspeicher und virtualisierte Linux-Gäste unterstützt, lassen sich Linux-Server sehr gut virtuell betreiben. Vor allem werden mit Windows Server 2019 virtuelle Linux-Gäste effektiver unterstützt als in den Vorgängerversionen. Hyper-V Server 2019 kann alle Windows Server aber 2008 R2 sowie Linux und Unix virtualisieren. Das heißt, Unternehmen können weiterhin produktiv ihre aktuellen Server einsetzen, aber die neuen Vorteile effizient nutzen.

Für Hyper-V Server 2019 gelten die bekannten Grenzwerte: 320 CPUs und 4 TByte RAM für Hosts, 64 TByte für virtuelle Disks, 1 TByte RAM für VMs und 64 Clusterknoten. Die Virtualisierungsfunktionen sind bei Hyper-V Server 2019 und Windows Server 2019 identisch. Sie können die Livemigration zwischen verschiedenen Servereditionen nutzen oder auch Hyper-V-Replika. Hyper-V-Server, aber auch die vollwertigen Versionen von Server 2019 unterstützen bis zu 24 TByte RAM auf dem Host.

Neben der Hyper-V-Serverrolle verfügt Hyper-V Server 2019 über keinen großen Funktionsumfang. Natürlich können Sie den Server in Windows-Domänen aufnehmen und damit in Active-Directory-Strukturen integrieren. Auch die Benutzerverwaltung und die Umsetzung von Gruppenrichtlinien sind möglich. Dazu kommt, dass so gut wie alle Tools, die Hyper-V in Windows Server 2019 unterstützen, auch Hyper-V Server 2019 anbinden können. Der Remotedesktop funktioniert in Hyper-V-Server 2019 auch, das gilt ebenso für den erweiterten Sitzungsmodus für virtuelle Server in Server 2019.

Neben diesen Möglichkeiten können Sie Hyper-V Server 2019 auch an den Server-Manager anbinden und damit überwachen sowie Serverdienste installieren. Auch die Integration in das Windows Admin Center ist problemlos möglich. Über diesen Weg können Sie auf dem Server auch die Speicherplätze und das Netzwerk-Teaming produktiv einrichten. Grundsätzlich lassen sich mit Hyper-V Server 2019 auch Desktops virtualisieren.

Virtual Desktop Access und Companion Subscription License

Nutzen Unternehmen Lizenzierungsvarianten mit Virtual Desktop Access (VDA), zum Beispiel Open License, Open Value, Select Plus und Enterprise Agreement, können sie auch lokale Installationen von Windows 10 einsetzen. Parallel dürfen die Anwender mit VDI oder Windows To Go arbeiten, ohne weitere Lizenzen zu kaufen. Anwender dürfen auf ihren Rechnern weitere Windows-Installationen virtualisieren, zum Beispiel über Hyper-V. Diese virtuellen Betriebssysteme sind bei manchen Verträgen, zum Beispiel Open License, Open Value, Select Plus und Enterprise Agreement, abgedeckt, müssen aber teilweise gesondert vereinbart werden.

Um VDA zu verwenden, muss ein Software-Assurance-Vertrag für das lizenzierte Gerät abgeschlossen werden. Allerdings darf in diesem Fall nur ein Hauptbenutzer mit dem System arbeiten. Andere Benutzer dürfen mit dem Computer arbeiten, erhalten aber nicht das Recht, zusätzlich eine VDI-Lösung oder Windows To Go zu nutzen. Stellen Unternehmen den virtuellen Desktop über Remote Desktop Services (RDS) zur Verfügung, sind zusätzlich Serverzugriffslizenzen (Windows Server CALs und RDS CALs) erforderlich. Diese werden durch die Windows-10-Lizenzierung nicht abgedeckt, sondern sind immer zusätzlich notwendig. Darüber hinaus gibt es noch die Companion Subscription License (CSL). Diese erlaubt dem Hauptbenutzer, bis zu vier private Geräte mit CSL zu lizenzieren, damit von diesen Rechnern aus ein Zugriff auf eine VDI-Umgebung oder Windows To Go erlaubt ist.

Microsoft hat aus dem Debakel mit der Aktivierung von Windows 10 und den Möglichkeiten zur Neuinstallation gelernt. In Zukunft und neueren Builds wird es möglich sein, dass Windows-10-Rechner mit einem Windows-7/8-Produktschlüssel installiert und aktiviert werden. Das ist wesentlich leichter verwaltbar, vor allem für kleine Unternehmen. Bei aktuellen, offiziellen Versionen ist das allerdings nicht immer möglich.

Auch Office darf virtualisiert werden, in einer VDA-Umgebung auch in einer VDI. Nutzen Anwender Windows To Go, ist es erlaubt, Office auf einem USB-Stick zu installieren und an verschiedenen Rechnern zu nutzen. Wenn Office auch auf Rechnern außerhalb des Unternehmens installiert werden soll, muss die Office-Anwendung für SA lizenziert werden. Dadurch erhält der Benutzer ein Roaming-Use-Recht, das die Nutzung einer virtu- ellen Kopie von Office von jedem privaten und öffentlichen Gerät aus ermöglicht.

Fazit

Eines ändert sich auch mit Windows Server 2019 nicht: Die Komplexität der Lizenzierung. Generell ist davon auszugehen, dass der Einsatz von Windows Server 2019 teurer wird. Das liegt vor allem an der neuen Prozessorkern-Lizenzierung. Der CAL-Zugriff der Anwender bleibt in Windows Server 2019 generell gleich. Leider beherrscht die Standard-Edition nicht alle Funktionen der Datacenter-Edition. Hier sind vor allem die Storage-Funktionen zu nennen. Daher kommen mit der neuen Windows-Version auch kleinere Unternehmen häufig in die Situation, die teurere Edition einzusetzen.

(jp)

Link-Codes

[1] Windows Server 2019 Editions Comparison: https://docs.microsoft.com/de-de/windows-server/get-started-19/editions-comparison-19/

Aus dem IT-Administrator Magazin Ausgabe 04/2019: Verwaltung mobiler und stationärer Clients Seite 44-46

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