Fachartikel

Lizenzmodelle von Windows 10 und Windows Server 2016 (2)

Die größte Neuerung in der Windows-Lizenzierung ist "Windows-as-a-Service". Damit ist vor allem gemeint, dass es in Zukunft keine neue Hauptversion von Windows geben wird, sondern Windows 10 das letzte neue Windows sein wird. Doch das Betriebssystem steht – genau wie Windows Server 2016 – wie gewohnt in verschiedenen Ausprägungen und Leistungsumfängen bereit. Es lohnt sich daher, genau zu recherchieren, welche Edition in welcher Lizenzvariante eingesetzt werden soll. Im zweiten Teil geht es unter anderem darum, wie Sie Cloud und Windows im Paket erwerben und was CPU-Kerne als neuer Lizenz-Fixpunkt bedeuten.
Schau genau! Bei der Lizenzierung von Windows 10 und Windows Server 2016 gilt es, Kostenfallen zu vermeiden.
Windows 10 Enterprise testen und lizenzieren
Wollen Sie Windows 10 Enterprise kostenlos testen, steht eine 90-Tage-Testversion [4] bei Microsoft als Download bereit. Unternehmen die Windows 10 Enterprise einsetzen wollen, müssen die Software als Volumenlizenz erwerben oder das Abo-Modell verwenden, das wir in den nächsten Abschnitten behandeln. Das heißt, Freiberufler oder Privatanwender sind eher nicht im Fokus der Edition.

Die Edition steht auch nicht gratis zur Verfügung. Anwender mit Windows 7/8.1 Enterprise können daher nicht kostenlos auf Windows 10 Enterprise aktualisieren, ohne die Software zu lizenzieren. Da in den meisten Volumenlizenzen aber ohnehin aktuelle Versionen abgedeckt sind, sollte sich auch auf diesem Weg eine kostenlose Aktualisierung durchführen lassen.
Cloud und Windows im Paket erwerben
Zusammen mit dem Anniversary Update führte Microsoft die Lizenzierungsform "Secure Productive Enterprise" ein, die die "Enterprise Cloud Suite" ersetzt. Unternehmen sollen dadurch in die Lage versetzt werden, Windows 10, Office 365 und die "Enterprise Mobility + Security Suite" [5] gemeinsam zu lizenzieren. Letztgenannte Suite ist die neue Version der Enterprise Mobility Suite. Mit dieser Sicherheitslösung können sich Windows-10-Enterprise-Rechner direkt am Azure Active Directory anmelden. Die Überwachung und zentrale Steuerung der Arbeitsstationen werden mit Microsoft Intune vorgenommen. Beide Dienste gehören zur Enterprise Mobility + Security Suite.

Hier wird zwischen der herkömmlichen Version "Windows 10 Enterprise E3" und der erweiterten Version "Windows 10 Enterprise E5" unterschieden. Das sind auch die neuen Namen von Windows 10 Enterprise mitsamt Updates für Abonnenten. Das Lizenzpaket "Secure Productive Enterprise E5" enthält Office 365 E5, Enterprise Mobility + Security Suite E5 und Windows 10 Enterprise E5. Die E5-Version von Windows 10 Enterprise verfügt zum Beispiel auch über die Anbindung an Windows Defender Advanced Threat Protection (ATP). Diese Anbindung fehlt der E3-Variante, kann aber dazu gebucht werden.

OEM-Versionen und illegale Lizenzen legalisieren
Liegen für manche Rechner keine Betriebssystemlizenzen vor, können OEM-Versionen ein Weg zu günstigen Lizenzen sein. Microsoft bietet für Windows 10 auch so genannte "Legalization Get Genuine"-Versionen im Volumenlizenzprogramm an. Dabei handelt es sich um die nachträglich korrekte Lizenzierung fehlerhaft lizenzierter Software. Microsoft bietet diese Art der Lizenzierung ab fünf Rechnern an [6]. Das "Get Genuine Online Kit" bietet Legalisierungsrechte für Windows 7, während "Get Genuine Windows" gleiches für Windows 8, 8.1 und Windows 10 mit sich bringt.

Das Volumenlizenzprogramm ist ab fünf Lizenzen sinnvoll, wenn Sie auf Open-NL setzen. Microsoft bietet verschiedene Rabatte, die nach einem Punktesystem ab 500 Punkten erteilt werden. Diese tragen die Bezeichnung Open-C, für Behörden Open-D und für Bildungseinrichtungen Open-E. In diesem Bereich bietet Microsoft aber auch weitere Pakete an. Hier sollte ein Lizenzierungsexperte befragt werden, um die optimale Lizenzierung zwischen Open-Value, Open-Value Subscription und School Agreement zu erfragen.

Virtual Desktop Access und Companion Subscription License
Nutzen Unternehmen Lizenzierungsvarianten mit Virtual Desktop Access (VDA), zum Beispiel Open License, Open Value, Select Plus und Enterprise Agreement, können sie auch lokale Installationen von Windows 10 einsetzen. Parallel dürfen die Anwender mit einer VDI-Lösung oder Windows to Go ohne weitere Lizenzen arbeiten. Anwender dürfen auf ihren Rechnern weitere Windows-Installationen virtualisieren, zum Beispiel über Hyper-V. Diese virtuellen Betriebssysteme sind bei manchen Verträgen, zum Beispiel Open License, Open Value, Select Plus und Enterprise Agreement abgedeckt, müssen aber teilweise gesondert vereinbart werden.

Um VDA zu verwenden, benötigen Sie einen Software-Assurance-Vertrag für das lizenzierte Gerät. Allerdings darf in diesem Fall nur ein Hauptbenutzer mit dem System arbeiten. Andere Benutzer dürfen mit dem Computer arbeiten, jedoch ohne die zusätzlichen Rechte auf Windows To Go. Stellen Unternehmen den virtuellen Desktop über Remote Desktop Services (RDS) zur Verfügung, sind zusätzlich Serverzugriffslizenzen (Windows Server CALs und RDS CALs) erforderlich. Diese werden durch die Windows-10-Lizenzierung nicht abgedeckt, sondern sind immer zusätzlich notwendig.

Ferner gibt es noch die Companion Subscription License (CSL), die dem Hauptbenutzer, aber keinem anderen Benutzer des Rechners erlaubt, zusätzlich bis zu vier private Geräte mit CSL zu lizenzieren, damit von diesen Rechnern aus ein Zugriff auf eine VDI-Umgebung oder Windows To Go erlaubt ist.

Microsoft hat aus dem Debakel mit der Aktivierung von Windows 10 und den Möglichkeiten zur Neuinstallation gelernt. In Zukunft und bei neueren Builds wird es möglich sein, dass Windows-10-Rechner mit einem Windows-7/8-Produktschlüssel installiert und aktiviert werden. Das ist wesentlich leichter verwaltbar, vor allem für kleine Unternehmen. Bei aktuellen, offiziellen Versionen ist das allerdings nicht immer möglich.

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Seite 2: CPU-Kerne als neuer Lizenz-Fixpunkt


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12.11.2018/jp/ln/Thomas Joos

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