Fachartikel

Die Zukunft des IT-Beraters

Durch die Anforderungen an die IT-Sicherheit und gänzlich neue Technologien sind selbst kleine und kleinste Unternehmen immer stärker auf externe IT-Berater angewiesen. Doch auch deren Berufsbild als Helfer in der Not oder als Spezialist für ausgewählte Themen wie die DSGVO wandelt sich: Weg vom technischen Nerd hin zum Unterstützer der digitalen Transformation. IT-Experten, die offen und neugierig bleiben, sich weiterbilden und mit anderen vernetzen, können von der Aufwertung ihres Berufes persönlich und finanziell profitieren.
Gerade in Zeiten sich wandelnder Technologien sollten externe IT-Supporter stets das passende Werkzeug zur Hand haben.
Einem Aspekt der digitalen Transformation wird bislang kaum Aufmerksamkeit geschenkt: Unternehmen mit neun oder weniger Mitarbeitern spielen bei den großen Digitalisierungsthemen wie Industrie 4.0 keine Rolle. In Studien, Medienberichten oder wirtschaftspolitischen Strategien sind Sie nicht zu finden. Wir sprechen hierbei von nicht weniger als etwa drei Millionen sogenannter Kleinstunternehmen in Deutschland. Sie beschäftigen mehr als 4,8 Millionen Angestellte und verfügen in der Regel nicht über eigene IT-Kräfte.

Von den kleinen Unternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten verfügten nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2015 lediglich 14 Prozent über eigene IT-Spezialisten. Und selbst bei den mittleren Betrieben mit 50 bis 249 Mitarbeitern sind es nur 46 Prozent. Kaum vorstellbar, wie diese Firmen die anstehenden Anforderungen ohne professionelle Unterstützung bewältigen sollen. Ohne IT-Support bricht die digitale Transformation zusammen. Oder sie findet eben nur in der Großindustrie statt – mit fatalen Folgen für die drei Millionen Kleinstunternehmen und ihre Belegschaften.

Technik erzeugt mehr Komplexität
Je kleiner das Unternehmen, desto unmöglicher erscheint es vielen Geschäftsführern, das nötige IT-Wissen selber im Haus aufbauen zu können – geschweige denn, es in allen Bereichen stets auf dem aktuellen Stand zu halten. Zwischen Prozessautomatisierung, IoT, Big Data, Cloud, Software-defined Networks und den neuen Datenschutzvorgaben verlieren viele Verantwortliche den Überblick. Denn die Technik an sich vereinfacht nichts, sondern sie erzeugt im Gegenteil zunächst mehr Komplexität und Dynamik. Unternehmen benötigen also in erster Linie eine moderne, funktionierende IT-Infrastruktur. Und eine Strategie, die bestehende Geschäfts- und Ressourcenkonzepte langfristig flexibel genug hält, um die digitalen Entwicklungen abzubilden. Stabile und sichere IT-Systeme sind nicht mehr nur geschäftskritisch – sie sind heute Markttreiber und Geschäftsmittelpunkt.

Die Entwicklung geht immer mehr hin zur Cloud. Und auch die Systemhäuser selbst verabschieden sich mehr und mehr von der klassischen IT-Infrastruktur. Sie wird perspektivisch der Vergangenheit angehören. Bis dahin läuft vieles parallel und der Beratungsbedarf zu hybriden Lösungen ist entsprechend groß. Bewährtes soll sinnvoll und sicher durch neue Technologien ergänzt werden: On-Premises-Lösungen müssen sich mit Cloudplattformen integrieren lassen.

Wenn moderne Systeme im Unternehmen etabliert sind, stellt sich direkt die nächste Herausforderung: Die Systeme müssen funktionieren. Jeden Tag, jede Nacht, jede Stunde und jede Sekunde. Wer soll dafür sorgen? Was geschieht, wenn ein Knotenpunkt ausfällt? Dem Kunden des IT-Beraters ist das alles im Zweifelsfall egal. Er erwartet, dass er reibungslos arbeiten kann und dass seine Systeme sicher und zuverlässig laufen – ob im Keller auf dem eigenen Server, im Rechenzentrum des Systemhauses oder eben in der Public Cloud.
Skepsis gegenüber Clouddiensten
Die vollständige Digitalisierung der Geschäftsprozesse ist längst nicht für alle Unternehmen sinnvoll, besonders die kleinsten müssen Chancen und Risiken genau abwägen. Ein Beispiel: Akteure im Gesundheitswesen wie Physiotherapeuten, Logopäden, Ärzte oder Heilpraktiker, aber auch Anwälte und Steuerberater, verwalten sensible Informationen wie Krankheits- oder Krankenkassendaten, elektronische Akten mit familiären oder vermögensrelevanten Informationen ihrer Kunden. Viele dieser Unternehmer fühlen sich wohler, wenn sie Daten und Server unter eigener Kontrolle haben. Denn die Vorbehalte, Daten in eine Public Cloud und damit aus der Hand zu geben, sind groß. Sicherheitsbedenken stehen im Vordergrund.

Eine 2018 von eco beauftragte Studio zur IT-Sicherheit zeigt eine bestehende Skepsis gegenüber Clouddiensten zur Speicherung sensibler Daten. Nur etwa 27 Prozent nutzen Cloud-Dienste und fast 50 Prozent verzichten ganz auf ihren Einsatz. Die Verunsicherung zeigt sich auch in der Studie "IT-Sicherheit und Datenschutz 2017" der "Nationalen Initiative für Informations- und Internet-Sicherheit e.V." (NIFIS): 82 Prozent forderten mehr Transparenz und Aufklärung über Gefahren und Schutzmöglichkeiten – eine klassische Aufgabe für den IT-Experten.

Aber auch fehlende oder schlechte Internetanbindungen, vor allem in ländlichen Gebieten, bremsen den Umstieg. Und nicht zuletzt sorgt die im Mai 2018 in Kraft gesetzte Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für weitere Nachfrage nach Beratungskompetenz im IT-Bereich. Solange, bis die digitalisierte Infrastruktur verlässlich und sicher ist, sind IT-Berater gefragt: Zum einen sollen sie eine verlässliche lokale Lösung wie einen Server mit Backupsystem schaffen. Zum anderen ist es ihre Aufgabe, sachlich und objektiv über Chancen, Risiken und sinnvolle Schutzmaßnahmen von Cloudlösungen zu informieren.

Kleine Unternehmen und Einzelunternehmer brauchen eine individuelle Lösung, die sie schrittweise ihren Anforderungen und den jeweiligen technischen Möglichkeiten entsprechend umsetzen können. Und sie bedürfen eines objektiven, gut informierten Beraters, der ihnen hilft, die vielen Möglichkeiten, die große Cloudanbieter schaffen, und die Folgen einer Abhängigkeit von Cloudlösungen einzuordnen. Denn nicht jedes Versprechen der Digitalisierung ist für jeden die richtige Antwort.
13.02.2019/jp/ln/Uwe Rummel, Vorstand der pcvisit Software AG.

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